Interview mit Jan Gehl

Den menschlichen Maßstab bei der Planung von Städten zu beachten ist die Kernaussage des Architekten und Stadtplaners Jan Gehl aus Kopenhagen.

Dieser Maßstab gilt sowohl für die zu berücksichtigende Geschwindigkeit, Fußgängertempo 5-8 km/h !!!) als auch für die Höhe, ab dem 5. Geschoss besteht kein Bezug mehr zu den Passanten.

Das Magazin brandeins hat  in seiner Ausgabe 12/2014 mit dem Schwerpunkt Genuss ein lesenswertes Interview mit Jan Gehl veröffentlicht.

Einen Bekanntheitsgrad über Fachkreise hinaus hat Jan Gehl durch die Umplanung des Times Square in New York erlangt, der zu einer Stätte der Begegnung von Menschen geworden ist.

Auszüge aus dem Interview

Mal angenommen, ich säße als Bürgermeister einer autoverpesteten Millionenmetropole vor Ihnen. Was rieten Sie mir?     Ich würde zwei Grunderfahrungen der Stadtplanung mit Ihnen teilen. Die erste ist eine mittlerweile vielfach belegte Erkenntnis: Erst formen wir unsere Städte, dann formen sie uns. Zweitens: Mehr und breitere Straßen führen zwangsläufig zu mehr Autoverkehr in der Stadt. Weniger Straßen und weniger Parkplätze hingegen schaffen Platz für Radfahrer, Fußgänger, Cafés und Plätze, kurz: das Leben. Darum sollten Sie sich kümmern.

Funktioniert das wirklich so einfach?     Es lässt sich nachweisen. In San Francisco zerstörte vor zweieinhalb Jahrzehnten ein Erdbeben den Embarcadero Freeway, eine der Hauptverkehrsadern. Theoretisch hätte daraufhin Chaos ausbrechen müssen. Praktisch aber haben sich Pendler und Einwohner binnen kurzer Zeit andere Wege in die Stadt gesucht, so wie Wasser, wenn ein Erdrutsch seinen alten Flusslauf versperrt. Heute ist der Embarcadero ein Boulevard mit Trolley-Bussen, Bäumen und viel Platz für Spaziergänger und Radfahrer.

Anmerkung des Autors: Die Beispiele Times Square und Embarcadero Freeway lassen unwillkürlich an die Hochstraße am Raschplatz denken. Die Stadt Hannover hat hier die Fahrbahnen und das Geländer gerade mit Millionenaufwand saniert. Zeitgleich rätseln die Verantwortlichen bei der Stadt, wie ein lebendiger und sicherer Übergang von der City in die List entstehen könnte. Einen Boulevard mit einer Allee zum Flanieren, Grünflächen, Spiel- und Sportmöglichkeiten und breiten Radwegen kommt ihnen nicht in den Sinn!

Baut Lebensraum für Menschen, nicht für Autos!

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