hannovercyclechic live bei radio106,5leinehertz zum Nachhören und Nachlesen, TEIL 1

hannovercyclechic war am 27.04.2016 bei radio106,5leinehertz in der Sendung ‚Nachgefragt‘ zu Gast. Vielen Dank an die RedAkteuRin Bettina Kühling für die Einladung und die Möglichkeit eine Lanze für den Radverkehr im Allgemeinen und in Hannover im Besonderen brechen zu dürfen!

Hier TEIL 1 des Interviews zum Nachhören als MP3-Datei bei YouTube und hier zum Nachlesen:

Anmoderation Bettina Kühling: ‚Viele Hannoveraner waren durch den Streik aufgerufen, ihr Fahrrad aus dem Keller zu holen. Gerade in der letzten Woche hat die Region Hannover eine erste Bilanz zum Handlungskonzept „Umsteigen Aufsteigen“ gezogen. Damit soll der Radverkehrsanteil bis zum Jahre 2025 auf über 20 % steigen. Oliver Thiele des Blogs www.hannovercyclechic.wordpress.com reicht das bei weitem nicht aus. Er möchte in Hannover Kopenhagener Verhältnisse schaffen und wird uns jetzt Rede und Antwort stehen.‘

hannovercyclechic: Hallo Bettina, hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich freue mich über die Einladung!‘

Bettina: ‚Was hat Kopenhagen was Hannover aus Eurer Sicht in Sachen Radverkehr was Hannover nicht hat?‘

hannovercyclechic-eria: ‚Zunächst möchte ich etwas scherzhaft nach Walter Ulbricht zitieren: „Niemand hat die Absicht, das Autofahren zu verbieten!“ Was bedeutet, dass Autofahren selbstverständlich weiterhin erlaubt sein soll. (Bang Boom BadaBäm! Was für ein Auftakt, stehende Ovationen der Crew, Daumen hoch des Technikers hinter der Scheibe!)

Zu Kopenhagen ist zu sagen, dass ich Ostern 2015 zum ersten Mal mit meiner Familie in Kopenhagen war. Wir hatten unsere Räder dabei und sind fünf Tage lang mit den Kindern dort Fahrrad gefahren sind. Was dabei sehr aufgefallen ist, da ich in Hannover auch sehr oft Fahrrad fahre, dass wir nicht eine kritische Situation mit einem Auto oder Autofahrer hatten. Was für einen siebenjährigen Jungen und ein elfjähriges Mädchen auf dem Rad schon überraschend war. Ich habe dann begonnen, mich mit Kopenhagen auseinanderzusetzen und mich gefragt, warum das eigentlich so ist.

Man muss einige Jahrzehnte zurückgehen, um zu verstehen, warum Kopenhagen in Bezug auf das Fahrradfahren so viel anders ist als Hannover. Die Kopenhagener haben vor 30 Jahren angefangen, sich gegen die autogerechte Stadt, die in den 70er Jahren in vielen Städten Einzug gehalten hat – in Hannover war es noch etwas früher – demonstriert und zwar nicht zu Tausenden, sondern zu Hunderttausenden. Sie haben sich mit 150.0000 Menschen auf dem Rathausplatz dafür ausgesprochen, dass ihre Kinder geschützt und ohne dass die Eltern Angst haben müssen, mit dem Fahrrad zur Schule fahren können. Was in Hannover nicht unbedingt gilt.

Es gibt einen weiteren Unterschied. Aufgrund der hohen Anzahl von Radfahrern und dem dadurch geringerem Autoverkehr ist Kopenhagen leiser als Hannover bzw. man könnte es so sagen: Die Stadt hört sich von Montag bis Freitag so an wie Hannover an einem Sonntag. Ich dachte zuerst, dass auch die Kopenhagener bzw. die Dänen Ferien hätten, weil wir ja auch der Kinder wegen in den Ferien da waren. Das war aber nicht der Fall. Um 13 Uhr, wir waren schon 3 Stunden mit dem Fahrrad unterwegs, kamen die dänischen Kinder aus der Schule, natürlich viele mit dem Fahrrad. Ein weiterer Unterschied ist, dass nahezu alle Kopenhagener auch selber Rad fahren. (Man kann auch in Kopenhagen mit dem Auto fast überall hinfahren. Es gibt lediglich eine Fußgängerzone ähnlich wie in Hannover und die 18 Stadtteilpätze sind weitestgehend autofrei.) Da alle auch mit dem Rad fahren, wissen sie um die Verletzlichkeit von ungeschützten Radfahrern, die nicht so wie die Autofahrer Airbag, Gurt und viel Blech um sich herum haben. Daher gehen sie auch anders miteinander um und tragen bis auf wenige Ausnahmen in der Regel keinen Helm!

Und da es mehr Radfahrer gibt müssen die Autofahrer auch immer mit Radfahrern rechnen. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, der zur Sicherheit von ungeschützten Radfahrern beiträgt, dass, je mehr Radfahrer unterwegs sind, die Autofahrer sich darauf einstellen. Sie müssen langsamer fahren, sie müssen gerade beim Rechtsabbiegen mehr schauen, weil selbstverständlich kein Autofahrer (auch hannovercyclechic fährt manchmal Auto, wenn auch selten) Radfahrer umfahren möchte, und das möchte ich auch keinem Autofahrer unterstellen.

Bettina: ‚Nun hast du dich ja intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und beschäftigt. Was sind konkret eure Ansätze und die Vorstellungen eurer Forderungen für Hannover?‘

hannovercyclechic-o: Ja, resultierend daraus, was in Kopenhagen gemacht wird bzw. auch in den Niederlanden, es ist etwas ungerecht den Holländern gegenüber jetzt immer nach Dänemark zu schauen, weil die Holländer die Radinfrastruktur sicherlich flächendeckender im gesamten Land noch etwas besser ausgebaut haben, als auf dem flachen Land in Dänemark, so ist es mir zumindest vorgekommen.

hannovercyclechic ist dafür, dass wir uns an den Vorbildern aus diesen beiden Ländern orientieren. Es geht nicht darum etwas Neues zu erfinden. Die jahrzehntelangen Erfahrungen , wie man Radfahren sicherer macht, sollten wir bei uns auch übernehmen. Zumal das auch mit Kostenersparnis verbunden ist, lieber Lutz, nicht wahr, weil wir nicht so viel ausprobieren müssen, nicht so viel Fehler machen. Es spricht nichts dagegen, dort einmal hinzufahren, auch als Abordnung der Stadt, was schon passiert ist, wie ich gehört habe. Und sich dort anzuschauen, wie es gemacht wird.

Deswegen sind die konkreten Ansätze, das was die Sicherheit der Radfahrer erhöht. Eine so weit als möglich vom motorisierten Verkehr separierte Radinfrastruktur, die noch viele andere Vorteile hat. Mit weniger Schnittpunkten zwischen motorisiertem Verkehr, der selbstverständlich schneller ist als der Radverkehr, und Radfahrern, kommt es auch zu weniger Konflikten. Das trägt zur Beruhigung der mitunter aufgeheizten Stimmung bei, und es kommt vor allem zu weniger Unfällen!

Wenn man in Kopenhagen Fahrrad fährt, wundert man sich, dass niemand auf den Radweg tritt. Wenn jemand auf den Radweg tritt, kann man davon ausgehen, dass es ein Tourist ist. Die Kopenhagener wissen, wie unangenehm es ist, mit dem Fahrrad zu fahren und im Grunde immer damit rechnen zu müssen, dass auch Fußgängern den Radweg betreten. (Welcher Autofahrer rechnet oder muss damit rechnen, dass Fußgänger auf die Fahrbahn treten? Is‘ ja auch viel gefährlicher, angefahren mit Tempo 50 durch einen PKW bedeutet, dass schwerste Verletzungen oder gar der Tod eintreten! Im Umkehrschluss zeigt das, wie ungefährlich Radfahrer für Fußgänger sind, sonst würden diese nicht plaudernd oder Löcher in die Luft starrend auf und über die Radwege gehen!)

Bettina: Wie könnte das aus eurer Sicht umgesetzt werden. Gibt es konkrete Vorschläge von Euch?

hannovercyclechic-imiki: Es gibt ganz aktuell eine neue Serie auf dem Blog, gestern Abend fertig gestellt, und heute kurz vor der Sendung online gestellt. Die Serie heißt hannovercyle ‚Better in the Block‘. Dort haben wir Vorher/Nachher-Bilder von Situationen eingestellt, die aufzeigen, wie man mit einfachsten Mitteln, nämlich mit Fahrbahnmarkierungen, kleinen baulichen Veränderungen, gute Radinfrastruktur an vielen Stellen herstellen kann, getrennt vom motorisierten Verkehr, um die Situation zu verbessern. Der erste Teil bzw. der erste betrachtete Punkt ist in der Egestorffstraße und Falkenstraße in Linden, wo der Rad fahren seit einiger Zeit auch auf der Fahrbahn zulässig ist. Es sind Schilder aufgestellt worden, weil man festgestellt hat, dass die Radwege in der Falkenstraße nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Das bedeutet, man hat sozusagen den Fahrradfahrern erlaubt, auf der Straße zu fahren. Leider sind die Schilder inzwischen wieder abmontiert worden und die Autofahrer sind manchmal doch sehr erbost, wenn sie einen Fahrradfahrer auf der Straße sehen. (Inzwischen gibt es einen Antrag im Bezirksrat Linden-Limmer, der den Entfall von Parkplätzen wie von hannovercyclechic ebenfalls gefordert auf der Egestorffstraße vor dem GIG und der Stadtbibliothek am Lindener Markt vorsieht!)

Bettina: Du bleibst noch eine Weile bei uns und wir sprechen noch über die Fahrradkultur in Hannover.

ENDE Teil 1, Schluck Wasser nehmen, durchatmen, Schweiß von der Stirn tupfen, hannovercyclechic 

Hier geht’s zu TEIL 2!

P. S. Special Thx goes to hannovercyclechic-Mutti, die den Text mühevoll abgetippt hat!

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