hannovercyclechic live bei radio106,5leinehertz zum Nachhören und Nachlesen, TEIL 2

hannovercyclechic war am 27.04.2016 bei radio106,5leinehertz in der Sendung ‚Nachgefragt‘ zu Gast. Vielen Dank an die RedAkteuRin Bettina Kühling für die Einladung und die Möglichkeit eine Lanze für den Radverkehr im Allgemeinen und in Hannover im Besonderen brechen zu dürfen!

Hier TEIL 2 (Link zu Teil 1) des Interviews zum Nachhören:

…zum Nachlesen und hier der Livestream von radio106,5leinehertz!

Bettina: hannovercyclechic ist ein Blog, der die Fahrradkultur in Hannover fördern will, um Hannover noch liebenswerter zu machen als es ohnehin natürlich schon ist. Gefühlt wird in Hannover und um Hannover schon sehr viel getan. Eben auch durch das Handlungskonzept Radwegenetz. Veranstaltungen wie der autofreie Sonntag, Velocity-Night usw. Seht ihr das genauso? Wird aus eurer Sicht bereits genug oder viel getan?

hannovercyclechic-sen: Würden wir das so sehen, hätten wir uns wahrscheinlich nicht die Mühe gemacht, einen Blog zu betreiben. Wir wollen selbstverständlich das Engagement der Stadt loben. Hannover ist nicht so schlecht wie man meinen mag, aber auch nicht so gut wie es zu sein glaubt. Dass Planer eingestellt werden für die Verkehrsinfrastruktur, wie ich gerade jüngst im Internet gesehen habe, ist natürlich sehr gut, weil man sich damit wesentlich professioneller aufstellt. Aber der Kommentar von Bernd Hasse in der HAZ erst vor wenigen Tagen sagte zu Recht aus, dass die Stadt ein gut gemachtes Flickwerk in Sachen Radverkehr herstellt. Also an den wenigen Ortendort, wo sie etwas tut, macht sie es nicht  ganz verkehrt, aber es ist und bleibt ein Flickwerk. Und die HAZ ist nicht gerade das Organ der Radfahrerlobby, zumindest nach meinem Erleben der letzten 20 Jahre, die ich HAZ lese, nicht. (Und das Flickwerk ist auch nicht immer ‚State of the Art‘ bzw. bringt Gefährdungen für Radfahrer mit sich! Wie u. a. dieses Beispiel zeigt: Ein Plädoyer für Poller: Radweg in der Falkenstraße: Radfahrer, auch Kinder und ältere Menschen, die sich nicht so sicher und umsichtig verhalten, müssen hier auf die Straße ausweichen, auf der sich zu allem Überfluss auch noch die Schienen der Straßenbahn befinden. Wird hier ein Kind angefahren, weil es wegen des ständig zugeparkten Radwegs, keine Poller vorhanden, auf die Straße ausweicht und von einem PKW erfasst wird, kann die Stadt sich nicht beklagen, wenn Sie von den Eltern verklagt werden würde!)

Andere Städte streben an, dass jeder zweite Weg mit dem Rad gemacht wird, das heißt, das Ziel ist 50 Prozent. Hannover dagegen hat wie Du gerade gesagt hast 20 Prozent vor! Ich glaube man hat sich 25 Prozent auf die Fahne geschrieben, aber auch nur auf längere Sicht.

Und solange Aussagen von Politikern im Raum stehen: ‚Hannover ist und bleibt Autostadt‘, Zitat eines SPD-Politikers.  Oder ein CDU möchte die Mobilität durch Prämien für E-Autos fördern,

wozu natürlich der ADFC, hannovercyclechic und auch viele andere Verbände und Privatleute eine vollkommen gegensätzliche Auffassung haben, wird sich nicht so viel ändern, wie man sich eigentlich wünschen würde.

Von den Veranstaltungen, die du am Anfang angesprochen hast: VelocityNight, Sternfahrten, autofreier Sonntag (siehe Programm) ist noch kein Radweg  besser und keine Kreuzung sicherer geworden. (Wobei alle Aktionen, die das Radfahren fördern, natürlich lobenswert sind!)

hannovercyclechic programm autofreier sonntag 29 05 2016

Erlebe hannovercyclechic am Autofreien Sonntag am 29.05.2016 um 12.00 Uhr auf der Fahrradbühne am Friederikenplatz u.a. mit Stadtbaurat Bodemann

Die Ausgaben, die für z. B. die ‚Lust auf Fahrrad‘-Imagekampagne aufgebracht werden (Es gibt auch Radzählstationen) erscheinen hannovercyclechic überschaubar. Es handelt sich für die City z. B. um zwei  PDF-Seiten (Lust auf Fahrrad, Aktionsprogramm 2016), die kann man relativ schnell durchlesen.

Bettina: Welches Konzept jetzt genau? (Hier hatten sich die Moderatorin und hannovercyclcechic missverstanden. Bettina meinte das Handlungskonzept Radverkehr der Region Hannover und hannovercyclechic sprach von der ‚Lust auf Fahrrad‘-Kampagne der Stadt Hannover)

hannovercyclechic: Ich meinte ‚Lust auf Fahrrad‘. Entschuldigung, das Handlungskonzept Radverkehr der Region Hannover ist natürlich weit- und umfangreicher als die Imagekampagne!

Die Kosten für  ‚Lust auf Fahrrad‘ wird sich nach Schätzung hannovercyclechic, vielleicht kann die Stadt das korrigieren, wenn es nicht korrekt ist, sicherlich nicht auf mehr als eine Million Euro belaufen, da es vor allem um Markierungen von Fahrradstraßen und Imagepflege der Stadt geht. Über Fahrradstraßen müsste man noch mal ganz separat diskutieren, vielleicht in einer zweiten Sendung.

Bettina: Das werden wir tun.

hannovercyclechic-imiki: Darüber hinaus gibt es aber einen Punkt, der wirklich anzumerken ist: Die Kosten. hannovercyclechic ist ein Freund der Statistik, die in der Regel nicht lügt, auch wenn Winston Churchill etwas anderes gesagt hat.

Die Stadt hat sich 2013 vorgenommen hat, 50 Mill. Euro für ein Sonderprogramm Straßensanierung von 2005 bis 2019 zusätzlich zu den laufenden Kosten der Instandhaltung etc. für die ohnehin schon vorhandene neu zu bauende Infrastruktur auszugeben. Jetzt haben wir gerade über die Ausgaben für die Imagekampagne ‚Lust auf Fahrrad‘ gesprochen und die angenommene verausgabte eine Million Euro.

Da muss man feststellen, dass es sich um eine relativ große Diskrepanz handelt, zumal, wenn man weiß, was ein Kilometer Radweg, 1,50 m breit, asphaltiert, kostet. Da gibt es eine Berechnung vom ADFC Erfurt: 1 km Radweg belaufen sich auf 150 Tausend Euro. Dazu muss man wissen, wenn man 1 km Autobahn bauen will, ohne Tunnel, ohne Berge, kostet jeder Autobahnkilometer 10 Mill. Euro. (laut Statistischem Bundesamt)

Wenn man jetzt Infrastrukturmaßnahmen annimmt, wie z. B. die D-Linie, heikles Thema in Hannover, will ich aber gar nicht weiter vertiefen. Aus der Presse konnte man entnehmen, dass die D-Linie momentan mit 63 Mill. Euro veranschlagt ist, für 4 bis 5 UBahnsteige und eine Strecke von schätzungsweise zwei drei Kilometer. Dann muss man sich die 63 Mill. Euro mal auf der Zunge zergehen lassen, wenn man sich überlegt, dass man die 63 Mill. Euro kürzen würde um 13 Mill. Euro  für die Instandhaltung der vorhandenen Strecke, die ausreichen müssten, dann hätten wir 50 Mill. Euro ‚über‘.

Diese Summe könnte Hannover in eine Radinfrastruktur stecken. Das würde bedeuten, wenn wir 50 Mill. Euro durch 150 Tausend Euro teilen, Kosten Radweg pro Kilometer, können wir 333 Kilometer Radwege bauen. Dies wäre ein Riesenschritt für die Radinfrastruktur in Hannover, da z. B. Berlin laut Senatsangabe insgesamt nur über ca. 650 km Radweg verfügt. Wir hätten danach eine Radfahrinfrastruktur, die auch noch viel schneller umzusetzen ist als große Infrastrukturmaßnahmen wie z. B. der Bau des Tunnels am  Südschnellweg in Döhren.

Bettina: Das sind ja mal ganz konkrete Beispiele – wunderbar. Jetzt gibt ja auch eine Kehrseite der Medaille. Das ist die, dass es immer wieder heftige Kritik an rücksichtslosen Radfahrern gibt, die auch einfach viel zu schnell unterwegs (ALS WENN SICH AUTOFAHRER AN GESCHWINDIGKEITSBEGRENZUNGEN HALTEN WÜRDEN UND ÜBERHÖHTE GESCHWINDIGKEIT DES MOTORISIERTEN VERKEHRS NICHT UNFALLURSACHE NR. 1 WÄRE…) sind und häufig auch geltende Verkehrsregeln erst gar nicht beachten. Wie könnte dem aus eurer Sicht begegnet werden?

hannovercyclechic-uerilla: Eine immer wieder sehr emotional geführte Diskussion, der man sich auch stellen muss, gerade wenn man den Radverkehr fördern will. Erster polemischer Punkt: Bisher habe ich noch nicht gehört, dass ein Radfahrer einen Autofahrer totgefahren hat. Andersherum ist es schon das eine oder andere Mal vorgekommen – hunderte Mal in Deutschland in einem Jahr.

Es gibt dazu einen Leserbrief aus dem Kurier in Österreich, den würde ich gerne vorlesen.

‚Ja, es gibt rücksichtslose und undisziplinierte Radfahrer, so wie es rücksichtslose und undisziplinierte Autofahrer gibt und Fußgänger, Linkshänder, Anwälte, Tiroler, Kaffeetrinker, Fußballfans und Dostojewski-Leser. Zusammengefasst: Menschen!

Das Problem mit den rücksichtslosen Radfahrern ist ja kein Problem mit dem Fahrradfahren, sondern mit der Rücksichtslosigkeit. Rustikal ausgedrückt, der Fahrradtrottel ist kein Trottel, weil Rad fährt, sondern weil er ein Trottel ist. Er ist es auch dann, wenn er nicht Rad, sondern Auto fährt oder ganz etwas anderes tut. Die Tatsache, dass das Fahrrad auch von Trotteln benutzt wird, macht es noch nicht zu einem schlechten Verkehrsmittel.

Bettina: Definitiv keine Frage, aber so ein bisschen Respekt im Umgang miteinander gehört auch dazu.

hannovercyclechic: Wir haben auch eine konkrete Meinung bzw. Vorschläge dazu. Dass eine separierte Radinfrastruktur wie man es aus Holland oder Amsterdam kennt, die Radfahrer diszipliniert, untereinander vernünftig miteinander umzugehen und auch zu weniger Konflikten mit den anderen Verkehrsteilnehmern führt. Deswegen nach wie vor wie eingangs erwähnt, wirklich mal das Augenmerk auf das richten, was andere machen und eine separierte Radinfrastruktur schaffen.

Bettina: 60 Sekunden: Welche Denkanstöße hättet ihr an die Verkehrspolitik?

hannovercyclechic: Die Verkehrspolitik sollte sich an den schwächeren Verkehrsteilnehmern orientieren. Das sind vor allem Kinder und alte Menschen. 50 % der getöteten Radfahrer sind über 65 Jahre alt. Der Wert einer Gesellschaft bemisst sich nach Auffassung von hannovercyclechic am Umgang  mit den Schwächsten der Gesellschaft; den Kindern, Drogenabhängigen, Straffälligen, Armen und natürlich auch den Radfahrern, weil sie mit das schwächste Glied im Straßenverkehr sind.

Wir sollten zudem einen Blick über die Grenzen hinaus in die Nachbarländer werfen. Wir sollten versuchen, dass wir gute Radwege schaffen, damit Fußgänger nicht länger befürchten müssen, von Radfahrern auf den Bürgersteigen drangsaliert zu werden, Radfahrer schneller und sicherer vorankommen und auch, letztes Argument, damit Autofahrer, die wirklich auf das Auto angewiesen sind (und Rettungsfahrzeuge, Lieferwagen und der ÖPNV!), auch wirklich besser voran kommen, weil mehr Menschen mit dem Fahrrad fahren.

Bettina: Sehr gute Denkanstöße. Vielen Dank Oliver Thiele für deinen Besuch. In Sachen Fahrradkultur in Hannover gibt es ja noch einiges zu besprechen. Das werden wir auch in einer der nächsten Sendungen mit dir tun. Und werfen dann noch einen Blick auf ganz konkrete Missstände. Beispielsweise wenn es darum geht, dass Fahrradwege schlicht und ergreifend einfach vergessen werden.

hannovercyclechic-o: Danke!

P.S. Link zu Teil 1 des Gespräches

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