Das hannovermagazin Stadtkind im Interview mit hannovercyclechic

Die famose und wundervolle Katja Merx vom STADTKIND hat die hannovercyclechiceria eingeladen, zur Situation des Radverkehrs in Hannover und darüber hinaus Rede und Antwort zu stehen. Dieser Einladung sind wir gerne gefogt und haben an einem lauschigen Abend im Mai an einem geheimnisumwitterten Ort an der Ihme das folgende Interview geführt, das in der Juni-Ausgabe des STADTKIND erschienen ist.

hannovercyclechic stadtkindlogo …interviewt…hannovercyclechic logo rund auf weiß

Welcome to the Cycle Chic Republic hannovercyclechic – Blog zur Förderung der Radkultur und einer lebenswerten Stadt

Radfahren hat Hochkonjunktur. Dass immer mehr Menschen das Auto stehen lassen und sich lieber auf das Fahrrad schwingen, hat sicherlich nicht nur etwas mit den warmen Temperaturen zu tun. Radfahren schont die Nerven, ganz besonders in der Hauptverkehrszeit, hält fit und trägt somit zu einer höheren Lebensqualität bei. Und ganz nebenbei kommt es natürlich auch der Umwelt zugute. Zahlreiche Initiativen und Projekte setzen sich für eine verbesserte Radkultur und vor allem eine sichere Infrastruktur für Radfahrer ein, denn die lässt oftmals noch zu wünschen übrig. Selbst die Stadt Hannover hat den Trend des Radfahrens erkannt und das Aktionsprogramm „Lust auf Fahrrad“ initiiert. Zu den engagierten Projekten, die zugunsten Hannovers Radkultur in Aktion treten und denen die geplanten städtischen Maßnahmen bei weitem nicht ausreichen, gehört auch hannovercyclechic. Dieser radrebellische Blog gehört zu einer weltweiten Cycle-Chic-Initiative (Großbritannien, Amsterdam, Curitiba etc.) die ihren Ursprung in Kopenhagen hat und sich auch gern Cycle Chic Republic nennt. Das STADTKIND sprach mit Oliver Thiele, einem der Initiatoren des hannoverschen Cycle-Chic-Blogs, und fragte nach Zielen, Ideen und Kritik.

LINK zum Beitrag: ‚Imagekampagne ‚Lust auf Fahrrad oder Vision Zero‘

Aufgelesener Flyer: PlatzDa! No. 3 am 18.06. um 14.00 Uhr auf dem Lindener Markt

Aufgelesener Flyer: PlatzDa! No. 3 am 18.06. um 14.00 Uhr auf dem Lindener Markt

Wer oder was verbirgt sich hinter hannovercyclechic?

hannovercyclechic ist ein Blog, der faktenlastig und streitlustig den Radverkehr und eine lebenswertere Stadt fördern will. Betrieben wird er von Radaktivisten, Planern und Eltern. Mehr zu den Zielen der hannovercyclechiceria findet man unter „Über diese Webseite“ auf www.hannovercyclechic.wordpress.com.

 

Wie kam es dazu, den Blog zu starten?

Aufenthalte in den Niederlanden und natürlich der „Weltfahrradhauptstadt“ Kopenhagen haben den Macherinnen und Machern von hannovercyclechic gezeigt, wie sehr sich die Lebensqualität durch Veränderung der Mobilität – mehr Fahrrad, weniger Auto – für alle Menschen zum Positiven verändert. Das Leben wird ruhiger, gelassener und gesünder. Gerade der motorisierte Verkehr (ÖPNV, Firmen, Pendler) profitiert von freieren Straßen, wenn mehr Menschen Rad fahren.

LINK zum Film The Big Picture, der zeigt was Kopenhagen (besser aus-)macht:

 

Geht es bei Cycle Chic eigentlich vornehmlich um schickes Design rund ums Rad oder um das Engagement zugunsten fahrradfreundlicher Verhältnisse in der Stadt?

Radfahren ist Alltag in unseren Nachbarländern Holland und Dänemark, darum geht’s. Der Initiator von Cycle Chic und www.copenhagenize.com Mikael Colville-Andersen zeigt auf www.cycle-chic.com die Vielzahl an Kopenhagener Radfahrern jenseits der Funktionsjacken- und Helmträger.

hannovercyclechic hat den Traum einer fahrradgerechten Stadt Hannover. Die Serie ‚hannoverCycle ‚Better in the Block‚ zeigt auf dem Blog beispielhaft Orte, an denen schnell und kostengünstig Verbesserungen für den Radverkehr umgesetzt werden könnten.

LINK zum Beitrag: Separater Radweg und Entfall von Parkplätzen in Linden-Mitte

 

Euch wäre es am liebsten, in Hannover – bezogen auf den Radverkehr – Kopenhagener Verhältnisse zu schaffen. Was genau stellt ihr euch darunter vor?

Konkret eine Radinfrastruktur, die sicher (wenn möglich getrennt vom Autoverkehr), schnell (z. B. Vorfahrt für Radfahrer an Kreuzungen ohne Ampeln) und bequem (asphaltiert, breit genug) ist. Ein Beispiel: Standardbreite eines Radweges in Kopenhagen ist 2,20 m, wohlgemerkt in eine Richtung.

Wenn die Frage „Kann ein zehnjähriges Kind ungefährdet (auch ohne Helm!) vom Autoverkehr zur Schule oder zu Freunden fahren?“ mit Ja beantwortet werden kann, haben wir Kopenhagener Verhältnisse, vorher nicht.

LINK zum Beitrag, in dem ein Film holländische und deutsche Radinfrastruktur vergleicht

hannovercyclechic-se beim Autofreien Sonntag

 

Plant ihr neben eurem Blog und einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit auch Aktionen zum Thema Radkultur in Hannover?

Für die hannoverCYCLEchicSHOOTZ lassen sich Prominente mit Rad fotografieren. Veröffentlicht werden die Fotos zunächst im Blog und anschließend in Cafés. Für weitere Aktionen werden noch Mitstreiter und Aktivisten gesucht, Mail an hannovercyclechic@gmx.de. hannovercyclechic ist neben dem Blog auch bei Facebook, zweimal bei Instagram mit schönen Bildern rund um ’s Rad und schön blockierten Radwege  Twitter vertreten.

LINK zum hannovercyclechic Instagram-Account mit schönen Bildern rund um ’s Rad

LINK zum ‚Lust auf Fahrrad‘ oder ‚FrustaufmFahrrad‘ Instagram-Account von hannovercyclehic mit kuriosen Bildern rund um blockierte Radwege

LINK zu den hannoverCYCLEchicSHOOTZ #1 mit Dete Rehbock, dem Organisator u. a. der VeloCityNight

 

Die Stadt Hannover startete Mitte April ihre Initiative „Lust auf Fahrrad“ – ein Aktionsprogramm 2016/2017 mit dem Ziel, den Radverkehr zu fördern, die Infrastruktur fahrradfreundlicher zu gestalten und bis 2025 den Radverkehrsanteil auf 25% zu steigern. Die Aktionen reichen von mobilen Radchecks über die Velo City Night bis zum Autofreien Sonntag. Am 26. Juli wird sich die Stadt mit einer Ausstellung und einem Infostand bei der Neuen Nacht von Hannover beteiligen. Es sollen Ampelgriffe und Trittbretter an Ampeln und Luftstationen eingerichtet, bauliche Verbesserungen für Radfahrer vorgenommen werden und weitere Fahrradstraßen entstehen. All das dürfte doch im Sinne von hannovercyclechic sein. Oder greifen die geplanten Maßnahmen zu kurz?

Mehr Radfahrer bekommt man nicht mit Imagekampagnen und Kleinkram wie Ampelgriffen, sondern mit wirklicher Verbesserung der Radwege im Hinblick auf Sicherheit und Schnelligkeit. Dafür müssen die Verkehrsflächen gerechter aufgeteilt werden. Zunehmender Radverkehr muss auch mehr Fläche zum Radfahren nach sich ziehen. Negativbeispiele wie der Schwarze Bär in Linden oder die Karmarschstraße vor der Markthalle, wo bei Umbauten keine separaten Radwege gebaut wurden, zeigen deutlich, dass Hannover (noch) nicht bereit ist, wirkliche Veränderungen herbeizuführen.

In Kopenhagen (Ziel dort ist 50% Radverkehrsanteil) entfallen Parkplätze an Kreuzungen, um die Sichtbarkeit und damit die Sicherheit von Radfahrern und insbesondere von Kindern und älteren Menschen zu erhöhen. Gerade die Lebensqualität der konkurrierenden Städte spielt bei den jungen, gut ausgebildeten Menschen und ihren Kindern eine wichtige Rolle. Und last but not least profitieren von mehr Radfahrern in der Stadt alle, die wirklich auf das Auto angewiesen sind: Pendler, ÖPNV, Handwerker.

LINK zum Beitrag: Schwarz, schwärzer, am Schwarzen Bären in Hannover-Linden sind die Radwege vergessen worden

LINK zum Beitrag: Marstallumgestaltung in Hannovers City kommt ohne Radwege aus

hannovercyclechic-Zitat: „Niemand hat die Absicht, das Autofahren zu verbieten!“

LINK zum Radiointerview mit hannovercyclechic auf radio106,5leinehertz

 

Was haltet ihr von der Einrichtung von Fahrradstraßen? Machen diese speziell für Radfahrer ausgewiesenen Straßen überhaupt einen Sinn, wenn dort weiterhin Autos fahren bzw. parken dürfen?

Solange Kinder bis zum elften Lebensjahr auch in Fahrradstraßen auf dem Bürgersteig fahren müssen, hält hannovercyclechic im Prinzip nichts von Fahrradstraßen. Gut ist, dass bei mehr Fahrradstraßen mit Autoverkehr der Ruf nach wirklichen Fahrradstraßen ohne Autos laut werden wird. Auch das grundsätzlich langsamere Tempo, das Radfahrer, plaudernd nebeneinander fahrend, auf „ihrer Straße“ praktisch nebenbei einfordern, gefällt hannovercyclechic.

LINK zu ZEIT online: Wer darf was in (d)einer Fahrradstraße?

 

Es gibt ja immer wieder Diskussionen zum Thema „Helmpflicht: Ja oder nein?“. Was meint ihr, brauchen wir mehr Helme im Stadtverkehr, um sicher durch den Verkehr zu kommen?

Nein, wir brauchen nicht mehr Helme oder gar eine Helmpflicht, sondern eine vom Autoverkehr getrennte Radinfrastruktur wie in Kopenhagen. Dort tragen weniger als 1% der Alltagsradfahrer einen Helm. In Australien haben Studien ergeben, dass bei einer Helmpflicht die Anzahl der Radfahrer abnimmt … und genau das wollen die modernen Städte ja nicht.

LINK zum Beitrag: Helmpflicht 1 Sex mit Lord Helmchen

LINK zum Beitrag: Helmpflicht 2 Darth Vader meets BB-8 Dobrindt

 

Wie seid ihr vernetzt? Arbeitet ihr mit anderen Initiativen wie Critical Mass zusammen?

Die Vernetzung nimmt zu. Kontakte bestehen u. a. zu den Organisatoren der Velo City Night, ausgewählten Parteien, dem Wissenschaftsladen auf dem Faustgelände und sogar zur Stadt. Die Critical Mass (jeden letzten Freitag im Monat, 18.30 Uhr, Klagesmarkt) ist natürlich eine Pflichtveranstaltung.

LINK zu hannovercyclechic-en Fotos der Critical Mass Hannover am 27. Mai 2106 auf dem Blog von Berberbeard

 

Wie kann man euch unterstützen? Und wie kann sich jeder Einzelne engagieren, um Hannover fahrradfreundlicher zu gestalten?

Den Blog www.hannovercyclechic.wordpress.com lesen, Beiträge auf www.facebook.de/hannovercyclechic teilen, Bilder bei www.instagram.com/hannovercyclechic oder www.instagram.com/lustauffahrrad liken und ein Abo für www.twitter.com/hannovercycle abschließen. Jeder Einzelne kann: Gastbeiträge für den Blog schreiben, Fotos oder kleine Filme von besonders schlechten, gefährlichen Situationen von Radfahrern an hannovercyclechic@gmx.de schicken, vom ADAC in den VCD wechseln, gute Radinfrastruktur bei Politikern und im Bekanntenkreis einfordern, das Auto stehen lassen und natürlich Rad fahren.

Interview: Katja Merx

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