Sommerlochfüllung: Mein Traumradweg

Das ‚etwas andere‘ Ministerium für Verkehr zeigt in einem bebilderten Beitrag, was sehr gute Radwege  ausmacht. Eigentlich absurd, dass die Bauverwaltungen diese Punkte nicht umfänglicher umsetzen, wenn man sieht, wie einfach sie sind.

Ein Radweg führt um die Ecke, genau wie der Gehweg. Zebrastreifen für Fußgänger, den Radweg zu überqueren. Ampeln für den Fahrbahn zu zu Fuß überqueren oder mit Rad überfahren.

Auch die Rubrik ‚Gute Radinfrastruktur der Woche‘ und der Beitrag ‚Unsere Straßen sind zu schmal für Fahrradwege!‘ sind lesenswert und machen deutlich, was in Deutschland falsch läuft.

Leider ist an dieser Stelle auf einen Artikel aus der HAZ von heute hinzuweisen, der die erste getötete Radfahrerin diesen Jahres vermeldet, und das am 14.01.2016! Wenig überraschend eins: ein motorisiertes Fahrzeug ist die Todesursache. Wenig überraschend zwei: beim Unfallverursacher handelte sich um einen Rechtsabbieger.

Hier ein Kommentar von vorstadtstrizzi auf der Seite ‚etwas anderen‘ Ministerium für Verkehr zum Rechtsabbiegeproblem, dessen Kernaussage zutrifft: Mehr Radfahrer im Straßenbild, egal wo, erhöhen die Sicherheit aller Radfahrer!

Das Rechtsabbiegeproblem

Auf Radblogs trifft man zumeist Männer an. Eine Folge davon ist die überwiegend technische Sicht auf Probleme und der Versuch sie technisch zu lösen. Natürlich können gute technische Lösungen Sicherheit verbessern und natürlich braucht Radverkehr gute technische Lösungen.

Das sollte aber nicht den Blick darauf verstellen, dass das Rechtsabbiegeproblem ein in erster Linie kulturelles Problem ist, das nur mit einer Radkultur zu lösen ist.

Die Studie der Kfz-Lobby finanzierten UDV “Abbiegeunfälle geradeausfahrende Radfahrer vs. abbiegende PKW/LKW” vergleicht 4 deutsche Städte in puncto Abbiegeunfälle.

Münster Konfliktrate 5,8% / UKR 27,6
Magdeburg Konfliktrate 11,5%/ UKR 33,9
Darmstadt Konfliktrate 13,9%/ UKR 39,1
Erfurt Konfliktrate 13,2%/ UKR 72,1

Die Konfliktrate ist lt. den Wissenschaftlern sehr hoch signifikant mit dem tatsächlichen Unfallgeschehen korreliert. UKR: Unfallkostenrate. Sie zeigt, dass die relativ wenigen Abbiegeunfälle in Münster obendrein kostengünstiger sind. D.h. der Schaden, den ja vor allem der Radler davonträgt, ist erheblich geringer.

Sprich: In Münster mit seinen vielen Radwegen ist der Radler mehr als doppelt so sicher vor den gefährlichen Abbiegeunfällen als in den 3 Vergleichsstädten.

Niemand kann sagen, dass die Radwege in Münster, vergleicht man sie z.B. mit denen in NL, besonders gut ausgebaut sind und gar ein Beispiel für ausgefeilte Radverkehrsführung abgeben könnten.

Was man aber sagen kann ist, das schon allein die Konsequenz, mit der in Münster vor dem MIV 8motorisierter Individualverkehr) geschützte Radverkehrsführungen gebaut wurden, zu einer Verkehrskultur geführt hat, in der Radfahrer ein von allen, auch von Autofahrern, sichtbarer Bestandteil des Verkehrs sind und das deshalb auf sie mehr Rücksicht genommen wird als anderswo in Deutschland.

Es ist ein Irrglaube zu meinen, dass Sichtbarkeit aus größtmöglicher Exponierung zum Kfz-Verkehr entsteht. Das Bild entsteht nicht im Auge. Das Bild entsteht im Gehirn. Sichtbarkeit entsteht aus Seherwartung.

Dort, wo geschützte Radinfrastruktur viele zum Radfahren einlädt, dort erwarten Autofahrer, Radfahrer zu sehen. Dort sind Radfahrer sicher(er).

In diesem Sinne: Straßen zu Radwegen!

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2 Gedanken zu “Sommerlochfüllung: Mein Traumradweg

  1. Was Ursache und was Wirkung ist, lässt sich leider nicht so recht beweisen. Hier wird behauptet: Radwege schaffen viele Radfahrer und diese führen zu einer guten Radkultur. Denkbar wäre aber auch, dass aufgrund der Radkultur in Münster die vielen Radfahrer stets in Münster vorhanden waren und die Radwege daraufhin gebaut wurden. Letztendlich lässt sich nur eine Korrelation zwischen den drei Größen feststellen. Was Ursache und was Wirkung ist, ist völlig unklar.
    Interessant ist aber, dass es einige Städte in Deutschland gibt, die ihren Radverkehrsanteil innerhalb von 10 Jahren verdoppelt haben (z.B. Frankfurt), ohne dass sie in nennenswertem Maße Radwege gebaut hätten. Das deutet daraufhin, dass man Radkultur kostengünstiger ganz ohne massiven Radwegeausbau schaffen kann. Sicherer wird der Radverkehr dann einfach durch mehr Radfahren.

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    • Hi Susi, der Radverkehrsanteil in Frankfurt (am Main, meinst Du, oder?) ist von 2003: 9,5 % auf 2013: 14,5 % gestiegen. Quelle Dezernat Umwelt und Gesundheit (http://www.frankfurt-greencity.de/umwelt-frankfurt/frankfurts-luft/fahr-rad/)
      Der Pressetext dieses Links beschreibt bauliche Maßnahmen, die zur Erhöhung des Radverkehrsanteils (Lückenschlüsse, Schnellwegverbindungen…) durchgeführt werden sollen.
      hannovercyclechic hat übrigens anlässlich des Kommentars von Susi den Headertext von Radkultur in Radverkehr geändert. Radkultur ist vielleicht ohne Radwege zu machen, mehr Radverkehr aber sicher nicht ohne sichere, schnelle und bequeme Radwege a la Kopenhagen und Holland. Wer schickt schon seine elfjährige Tochter mit dem Rad quer durch die Stadt bei nicht vorhandenen Radwegen?
      Fehlende und/oder gefährliche Radweg führen u. a. zu Elterntaxis: Neue Presse Hannover – Chaos durch Elterntaxis vor Schulen (http://m.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Hannover-Chaos-durch-Elterntaxis)
      Kosten von Radwegen im Vergleich zu Kosten für den motorisierten Individualverkehr gibt’s hier: https://hannovercyclechic.wordpress.com/2016/04/13/was-kostet-eigentlich-ein-radweg/
      Und last but not least… Die Stimmung in den lärm-und staugeplagten, zugeparkten Städten (und gerade in den Wohnvierteln) verändert sich gerade rasant, ob man/frau will oder nicht. Was spricht dagegen wi9eter auf den Radverkehr zu setzen, um die Lebensqualität der immer größer werdenden Menge an in der Stadt wohnenden Menschen zu verbessern. Kopenhagen boomt, hannovercyclechic kennt niemanden, der dort war und nicht die Vorteile (und die Wirtschaft dort floriert auch noch!) gespürt hat…

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