Update V: Wedekindstraße – Ein offener Brief an Oberbürgermeister Stefan Schostok

Kurz gefasst geht es in dem offenen Brief zur Neuplanung der Wedekindstraße im hannoverschen Stadtteil List um die Frage, ob zukünftig ein rot aufgemalter Rad-Schutzstreifen, der von Autos befahren werden darf, ODER baulich vom motorisierten Verkehr getrennte Radwege (Protected Bike Lanes)  die Sicherheit der Radfahrer gewährleisten soll..

Die #PlatzDa!-Initiative hat in einer außerirdischen Aktion namens „Pömpel und Pedale“ unter anderem auch auf der Falkenstraße in Hannover-Linden auf den Vorteil dieser Protected Bike Lanes aufmerksam gemacht.

Hier sei noch auf die Chronologie des Protestes zur Wedekindstraße hingewiesen, die Ihr auch in den nachfolgend genannten Blogbeiträgen nachlesen könnt:

Inzwischen sind übrigens bereits zwei Änderungsanträge, die separate Radwege auf der Wedekindstraße fordern, in den Stadtrat eingebracht worden, einer von Die Partei und ein weiterer von der CDU-Fraktion.

Zitate aus den Anträgen:

„Aus Gründen der Sicherheit ist daher der geplante Schutzstreifen abzulehnen und die Verlegung des Radverkehrs auf einen separaten Radweg zu befürworten.“

„Der Ausbau der Wedekindstraße ist so auszuführen, dass Fahrbahn (Kraftverkehr) und Fahrradweg baulich getrennt sind.“

Diese Aufteilung der Wedekindstraße bietet allen Verkehrsteilnehmern ein sicheres und gutes Vorankommen. Die Straße wird begrünt und es könnten Kurzzeitparkplätze für die Geschäfte eingerichtet werden.

Der Brief im Wortlaut:

Oberbürgermeister Herr Schostok, Neues Rathaus, Trammplatz 2, 30159 Hannover

Umbau und Rekonstruktion der Wedekindstraße

Guten Tag Herr Schostok,

in der Freitagausgabe (HAZ vom 15.09.17) werden Sie mit der Aussage zitiert, dass „der Radverkehr weiter aus gebaut werden soll.“

Als passionierter Radfahrer, der kein Auto mehr besitzt, begrüße ich das natürlich und wünsche mir, dass diese Absicht auch kraftvoll in die Tat umgesetzt wird. Bisher habe ich nicht den Eindruck, dass davon die Rede sein kann. Jüngstes Beispiel ist die Planung für den Umbau der Wedekindstraße. Diese Straße ist wichtig für alle Radfahrer aus dem Norden und Nordosten, weil sie ein Hauptzugang auf ihrem Weg in die Innenstadt ist. Wird die Straße in der vorgelegten Fassung ausgebaut, wird es nicht gelingen, Menschen zum Umstieg aufs Fahrrad zu motivieren.

Denn der wichtigste Aspekt, um in der Großstadt das Fahrrad zu benutzen, wird nicht berücksichtigt: eine ausreichende Sicherheit für die Radfahrer ist nicht gewährleistet.

Der Vorschlag der Stadt Hannover, in dem gut sichtbar ist, welche Gefahren Radfahrer beim Überfahren der Schutzstreifen durch LKW etc. ausgesetzt sind, insbesondere (Schul-)kinder, Senioren und Ungeübte.

Derzeit gibt es in der Straße eine tägliche Verkehrsmenge von ca. 15 000 Kfz, darunter rund 10% Schwerlastverkehr, LKW und Busse; die zulässige Geschwindigkeit beträgt 50 km/h. Für diese Planungsbedingungen ist nach den Richtlinien für den Ausbau von Stadtstraßen eine Fahrbahnbreite für Kfz von 6,50 bis 7,00 m erforderlich, geplant sind lediglich 5,00 m – die Fahrbahn wird begleitet von jeweils 2,00 m Radstreifen als Schutzstreifen, die überfahren werden dürfen.

hannovercyclechic radwege in d und h und usa quelle daniel pöhler

Dieses Bild sagt eigentlich alles!

Wenn nach den Plänen ausgebaut wird, werden die Streifen vom Autoverkehr häufig mitbenutzt, so auch die Erläuterungen der Drucksache – die StVO sagt: ein Schutzstreifen kann nur markiert werden, wenn die Mitnutzung des Streifens durch Kfz nur selten erfolgt. Bei vorliegender Verkehrsbelastung und geplanter Enge kann das niemand garantieren, die Verhältnisse im Fernroder Tunnel und in der Königstraße bestätigen das, und der neue Schutzstreifen an der Ferdinand-Wallbrecht-Straße (LINK zum HAZ-Artikel) wird ebenfalls ständig überfahren. Ein Ausbau der Wedekindstraße gemäß Planung würde die gerichtliche Überprüfung geradezu herausfordern.

PlatzDa! ist hannovercyclechic HAZ Artikel zu Schutzstreifen auf Ferdinand Wallbrecht Straße

In der Königstraße wurde vor ein paar Jahren ein älterer Radfahrer getötet, als ihn ein Fahrzeug streifte. Das ist die Hauptgefahr, wenn Radfahrer in engen Situationen eng, ohne den nötigen Sicherheitsabstand von 1,50 – 2,00 m überholt werden.

Eine weitere Gefahr für den Radfahrer ergibt sich durch die rechts von im befindlichen Parkreihen, durch die Gefahren des Zu- und Abgangsverkehr, auch sich plötzlich öffnender Autotüren.

Man kann alle diese Gefahren minimieren. Es gibt Planungen und Realisierungen, die von vornherein für größere Sicherheit sorgen. Der Entwurf der Bürgerinitiative Umweltschutz für den Umbau der Wedekindstraße ist ein Beispiel, und die Radinfrastruktur in unseren europäischen Nachbarländern Holland und Dänemark stellt die Sicherheit ins Zentrum ihrer Bemühungen. Davon sollten wir lernen.

Sie sollten diese Grundsätze für die Sicherheit unbedingt noch jetzt berücksichtigen, ein nachträglicher Umbau einer Fehlplanung würde hohe Folgekosten zu Lasten des Steuerzahlers verursachen. Das kann nicht in unser aller Sinn sein.

Ich hoffe, dass sie den Mut haben, die Planung jetzt zu stoppen, die Vorlage für die Wedekindstraße ist nicht geeignet, für Sicherheit im Radverkehr zu sorgen – ein Maßstab muss sein, dass Kinder und alte Menschen hier sicher fahren können.

Im übrigen sollte der Platz wieder in die Planung einbezogen werden: Straße und Platz sind eine städtebauliche Einheit. Die Aufenthaltsqualität dieses Platzes mit französischem Flair sollte gestärkt werden. Das wird sich positiv auf die Gesamtsituation auswirken.

Mit freundlichen Grüßen

Gerd Reincke

Wir unterstützen diesen Brief von Herrn Reincke:

P.S. Das Beitragsbild ist vom Radaktivisten Thomas Geffe, der in Köln für die „Gute Wählergruppe Köln“ politisch und auf Twitter als @Megarosaelefant aktiv ist und diesem Artikel entnommen.

Advertisements

2 Gedanken zu “Update V: Wedekindstraße – Ein offener Brief an Oberbürgermeister Stefan Schostok

  1. Hallo lieber Oliver! Ich habe lange in der List gewohnt, und gerade der Wedekind Platz inklusive der Weg danach zur Eilenriede ist ein ganz besonders gefährliches Nadelöhr. Was die Verwaltung da jetzt plant, ist eine teure Verschlimmbesserung, die die Sicherheit für Radfahrer kein bisschen erhöht. Ich freue mich sehr über euren gut formulierten offenen Brief, und bin sehr gespannt, ob Herr Schostok darauf antwortet. Genießt den Feiertag! Viele Grüße! Guido Klumpe

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Von Unterwegs gesendet… ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    >

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s