Kommentar in der HAZ: „Luftverschmutzung – Wir Autofahrer haben es in der Hand“

„Unterm Strich“

−> zähl‘ ich?,  fragt Conrad von Meding nicht im Kommentar in der Print-Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Der Kommentar online) am letzten Samstag, sondern: <−

Was können wir selbst für die Luft tun?

[Originaltext des Kommentars in fett, unsere Ergänzungen in −> dünn und kursiv <−]

Versagt haben sie alle: die Bundes- und die Länderebene bis hin zur Stadtspitze, von der betrügerischen Autoindustrie ganz abgesehen. Leidtragende werden alle diejenigen sein, die…

−> an stark befahrenen, lauten Straßen wohnen, die wie unsere Kinder noch im Wachstum sind oder die bereits jetzt Lungenerkrankungen und Allergien haben. Hätten wir erwartet geht es weiter, stattdessen heißt es: <−

Leidtragende (!) werden alle diejenigen sein, die sich vor wenigen Jahren Dieselfahrzeuge mit grüner Plakette gekauft haben – im Vertrauen darauf, dass sie nun alles richtig machen. 

Seit der Ankündigung der ihrerseits seltsamen Deutschen Umwelthilfe −> (Die DUH ist eine als gemeinnützig anerkannte Organisation? Ist das seltsam? DUH-Eintrag bei Wikepedia) <−, Hannover wegen schlechter Luft zu verklagen, drohen ihnen Fahrverbote. Es ist wie ein Stück aus dem Tollhaus: In einer auf schnelle und flexible Mobilität geprägten Gesellschaft werden künftig… 

−>  wie bisher Millionen mit dem ÖPNV und dem Fahrrad in die Zentren der Städte kommen. In Hannover aus der Nordstadt, der Calenberger Neustadt, aus Linden, der List, der Südstadt usw. sogar zu Fuß. Hätten wir geschrieben, stattdessen heißt es: <−

…werden künftig Tausende −> mit dem Auto, fehlt hier <− nicht mehr in die Zentren der Städte fahren können. 

−>  Zu Fuß? Ja tatsächlich! Zu verdanken haben wir das dem früheren Stadtbaurat Hans Adrian, der z. B. die Lister Meile gegen massive Widerstände zur Fußgängerzone umbauen ließ, damit die Menschen über die Lister Meile bequem zu Fuß in die Innenstadt gelangen können. Die Lange Laube, der E-Damm sollten folgen, was leider bis heute nicht umgesetzt worden ist. Conrad von Meding hat Adrian übrigens 2013 in einem tollen Kommentar gewürdigt: „Ein Park für Adrian“ <−

−> Die erste Grafik zeigt den Anteil der Mobilitätsarten der Innenstadtbesucher in Hannover. (Studie als PDF) Es fahren sage und schreibe 20% mit dem PKW in die City! Die zweite Grafik (aus dieser Untersuchung, PDF) zeigt die Flächennutzungen von zweihundert Berliner Straßen. 58% der Flächen sind dem motorisierten Verkehr vorbehalten. Gerecht ist irgendwie anders, oder? <−

Schuldzuweisungen helfen nun nichts mehr, genauso wenig wie nutzlose Versuche, die Suche nach Lösungen an andere zu delegieren. Der Oberbürgermeister fordert, die Autobauer sollten ihre Kunden entschädigen (aber das kann er nicht beeinflussen), das Land schiebt die Verantwortung an die Städte (und ist damit die Sorge los), der Bund traut sich nicht, die Autobranche ernsthaft in die Pflicht zu nehmen (dabei hat er mit mangelnden Kontrollen das Problem begünstigt). −>  We agree… totally! <−

Der bislang einzig halbwegs praktikable Vorschlag, Hannovers Luftqualität kurzfristig zu senken, kommt von den Grünen. −> Die schon wieder <− Wenn jeder versuchen würde, an einem Arbeitstag pro Woche aufs Auto zu verzichten und seine Wege mit Bus und Bahn, Fahrrad oder zumindest Fahrgemeinschaft zurückzulegen, dann wäre die Luft schlagartig um bis zu ein Fünftel sauberer. Charmant an dem Vorschlag: Er funktioniert ohne Zwang und ohne staatliche Kontrolle, sein Erfolg hängt nur vom Verhalten jedes Einzelnen ab. 

−>  Das hat ja mit dem Veggie-Day und dem Eindämmen der Massentierhaltung auch super geklappt. ;-))) Wie gut das Appelieren an die Vernunft des einzelnen klappt, sehen wir tagtäglich auf unseren Autobahnen: Plakate mit Kindergesichtern und Sprüchen „Mami oder Papi, komm‘ heil nach Hause…“ halten leider zu wenig Fahrzeughalter*innen von der Raserei ab.

Warum nicht eher das Verhalten jedes einzelnen, wie bei der Abwrackprämie, auch finanziell unterstützen:  In Holland bekamen 2.300 Autopendler*innen einer vom Stau geplagten Region E-Bikes geschenkt, aber nur, wenn sie nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit pendeln. Die Anzahl der Fahrzeuge auf den Straßen verringerte sich so stark, dass auf den millionenschweren Bau weiterer Fahrspuren verzichtet werden konnte und sich die Ausgaben für die E-Bikes mehr als amortisierten, abgesehen von den eingesparten Gesundheitskosten! Hier der Artikel in der ZEIT zum Thema. 

Oder das kostenlose bzw. preisgünstige Überall-Parken mit Parkraumbewirtshaftung eindämmen, das zudem Geld in die öffentlichen Kasse bringen würde, wie in Basel praktiziert? Passend: Der Beitrag „So entkommt die Südstadt dem Parkdruck“ auf der gut gemachten neuen HAZ-Plattform „Übermorgen“.  <−

Dazu ist der Vorschlag nicht so lächerlich naiv wie der Glaube, Handwerker könnten im großen Stil auf Lastenräder umsteigen,…

−>  Einspruch, alle Handwerker sicher nicht, aber in einigen Städten werden bereits jetzt zahlreiche Lieferungen mit großen E-Lastenräder zum Zielort gebracht.

Make the „Radweg“ great again! zeigt funktionierende Beispiele. 

Ein weiterer Vorteil der Lastenräder gegenüber den unzähligen motorisierten Transportern ist der geringere Platzverbrauch, die bessere Wendigkeit und der nicht mehr vorhandene Motorenlärm. <−

…der Radwegeausbau werde angemessen schnell Wirkung zeigen…

−> Wie effektiv der Radwegeausbau, der im Vergleich zur Herstellung von Infrastruktur für motorisierten Verkehr nur einen Bruchteil kostet, zeigt das Beispiel Utrecht. In Utrecht werden 60 % aller Fahrten in der inneren Stadt mit dem Rad zurückgelegt. Mehr Infos, wie das funktioniert. Und am besten ist: Diese Option hat Hannover alleine in der Hand, im Gegensatz zur Blauen Plakette. Es ist ja kein Prophet nötig, dass diese Plakette unter einem(er) möglicherweise CSU-Verkerkehrsminister(in) auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird. Und dann, Herr Schostok? <−

…oder die E-Mobilität werde in absehbarer Zeit das Problem lösen.

−> Bei der E-Mobilität stimmen wir zu, auch weil diese die Stau-und Flächenproblematik und damit die Ineffizienz des Individualverkehrs (1 Person=1 KFZ) nicht löst. Nichtsdestotrotz ist eine Umrüstung der städtischen Fahrzeugflotte, nicht zuletzt als Vorbildfunktion für private Unternehmen, unerlässlich. <−

Alles gute Ideen, mehr eben nicht. Auch die blaue Plakette übrigens ist keine bürgernahe Lösung. Sie bedeutet quasi eine Enteignung tausender Autofahrer über Nacht, deren noch junge Fahrzeuge nicht mehr stadtkompatibel wären. Die Lösung des Luftproblems haben kurzfristig nur wir Autofahrer in der Hand. Wie wäre es – an einem Tag in der nächsten Woche? 

−> Ein frommer, aber leider sinnloser und unerfüllbarer Wunsch. Die ersten Großstädte und Metropolen dieser Welt beginnen Dieselfahrzeuge in Kürze zu verbieten. Gibts doch gar nicht? Doch gibts hier, hier, hier und hier! <−

Mittel- und langfristig wünschen sich viele Leser unseres Blogs und Menschen in Hannover eine lokale Politik, die durch intelligente Planung zu einer Verkehrsvermeidung führt, z. B. in der Wasserstadt in Hannover-Limmer: Warum spricht eigentlich niemand in Hannover, in der Politik, in der Verwaltung, in Limmer über eine in Teilen autofreie Wasserstadt? Siedlungen wie das Stellwerk 60 in Köln, Vauban in Freiburg oder Weissenburg in Münster machen teilweise seit Jahrzehnten vor, wie es gehen könnte: Mit Anwohnerparkhäusern, Lastenradverleih und Carsharingangeboten.

Eine Anbindung der Wasserstadt mit einem Radschnellweg, neben Bus und Stadtbahn, an den Königsworther Platz bzw. die City mit ihren Geschäften, dem Bahnhof und Freizeitangeboten ließe sich zum Beispiel sehr gut mit einer Fahrradbrücke über die Ihme wie die Cycel Slangen in Kopenhagen über den Hafen realisieren und den befürchteten Verkehsrkollaps der in die Stadt fahrenden  Autos und der Bahnen auf der Limmerstraße auflösen.


Einen tollen Einblick in die Historie gibt diese preisgekrönte Seite der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, die von HAZ-Volontären erstellt wurde.

Zum Abschluss wollen wir unseren geneigten Lesern einen Blick in die Niederlande gönnen, und Ihnen, lieber Conrad von Meding, einen Ausblick in die Zukunft nicht ersparen:

DFL-Podcast Die autofreie Modellstadt Houten in Holland

Kann man übrigens auch beim Auto fahren hören… ,-)

So genug kommentiert für heute. Wir müssen noch in die Stadt, die Bahn kommt gleich, und wir müssen Oma noch das Rad aufpumpen, sie will noch zum Mövenpick am Kröpke, bis später, Eure hannovercyclechic-eria

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