Mobilnetzwerk #1: Abbiegeunfälle – Freihalten von sogenannten Sichtdreiecken

Vorfahrtsmissachtungen im Zuge von Abbiegeunfällen stellen die Hauptursache bei den sehr schweren Radverkehrsunfällen dar. Das Freihalten von Sichtdreiecken ist diesbezüglich bereits im Radverkehrskonzept der Region Hannover der zentrale Aspekt zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und kommt folglich auch hier wieder zum Tragen. Bereits auch im Rahmen der Radverkehrsnovelle von 1997 spielt dieser Aspekt eine zentrale Rolle und findet sich als grundlegender Leitgedanke auch in den ERA wieder.

Laut u.a. der verbindlichen VwV-StVO heißt es bereits seit 1997:

„Das Abbiegen an Kreuzungen und Einmündungen sowie das Einfahren an verkehrsreichen Grundstückszufahrten ist mit Gefahren verbunden. Auf eine ausreichende Sicht zwischen dem Kraftfahrzeugverkehr und dem Radverkehr ist deshalb besonders zu achten. So ist es notwendig, den Radverkehr bereits rechtzeitig vor der Kreuzung oder Einmündung im Sichtfeld des Kraftfahrzeugverkehrs zu führen und die Radwegeführung an der Kreuzung oder Einmündung darauf abzustimmen.“ (VwV II 2c, Rn.26, zu §2 Absatz 4 Satz 2 StVO)

Wie dieses konkret auszusehen hat, findet sich unter anderem in den ERA, die durch normative Erwähnung in der VwV-StVO eine gewisse Verbindlichkeit erlangt haben, wieder:

„Hinsichtlich der Gestaltung von Radverkehrsanlagen wird auf die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) in seiner jeweils gültigen Fassung hingewiesen.“ (VwV I 2c, Rn 13, zu §2 Absatz 4 Satz 2 StVO)

Hier können in einem regionalen „Konzept“ vielleicht besondere Akzente gesetzt werden oder als konkrete Maßnahme beispielsweise auf eine Vorrangschaltung für Radverkehr oder Ähnliches hinweisen werden. Ob aber zum Beispiel Kfz. nahe einer Kreuzung Parkraum zur Verfügung gestellt wird oder ob der Radweg hinter anderen Hindernissen verschwindet darf, ist nicht mehr diskutierbar. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf eine neue Unsitte in der Stadt Hannover hinweisen. Zunehmend werden im Bereich der Wartezonen vor den LSA vielbefahrener Kreuzungen auf dem Streifen zwischen der Fahrbahn und dem Radweg große Werbetafeln mit umlaufender Werbung aufgestellt. Diese lenken vom Verkehrsgeschehen ab und verdecken vor allem die Sicht zwischen den abbiegenden Kfz. und dem Radverkehr. Hierfür dürften weder Sondernutzungsgenehmigungen erteilt, noch Bauanträge gemäß NBauO §50 genehmigt werden. Sie stehen im Widerspruch zur StVO.

Eine verdeckte Sicht durch parkende Kfz. und andere Sichthindernisse gehören in der Region Hannover aber weiterhin zu den typischen Gefährdungen für Radfahrende. Dabei sind solche Gefährdungen bereits seit 20 Jahren schlicht nicht mehr zulässig und stellen ggf. sogar einen Verstoß gegen die Verkehrssicherungspflicht dar.

Indem das Freihalten von Sichtdreiecken in einem Konzept als Ziel – welches vielleicht irgendwann mal erreicht werden soll – aufgenommen wird, wird die ja eindeutige Verwaltungsvorschrift in unzulässiger Weise relativiert. Hier müsste es in einem Konzept aus meiner Sicht eher darum gehen, wie und vom wem diese Gefährdungen systematisch erfasst und kurzfristig abgestellt werden können. Dieses betrifft sowohl bauliche Maßnahmen als auch verkehrsbehördliche Anordnungen. Hierfür könnte die Region den hier sicherlich überforderten Kommunen Fortbildungen anbieten, Organisationsstrukturen zur Verfügung stellen oder eine besondere Förderung zur Beseitigung solcher Mängel anbieten. Das gleiche gilt auch für den nächsten Punkt.

Dieser Text ist Teil eines Schreibens von Gunter Nootny an das Mobilnetzwerk Hannover, das verschiedenste Akteure zum Thema Verkehrssicherheit in Hannover versammelt.

Bereits erschienen:

Weitere Beiträge zu Rechtsabbiegern auf dem PlatzDa!-Blog findet Ihr hier, u.a. mit Erläuterungen zu den folgenden Abbildungen die dem Planning Guide Massachusetts entnommen sind.

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