Mobilnetzwerk #3: Radfahr- und Schutzstreifen für Radfahrende

Im dem Konzept (des Mobilnetzwerkes) sollen Schutzstreifen als besonders kostengünstige und damit effektive Methode genannt werden, den Radverkehr ggf. auch sogar außerorts sicher zu führen. Auch die aktuellen Planungen der Region Hannover für eine fahrtrichtungsbezogen Führung des Radverkehrs in den Ortsdurchfahren der Kreisstraßen sehen die flächendeckende Einführung von Schutzstreifen vor.

Es ist ja entsprechend meiner bisherigen Ausführungen grundsätzlich zu begrüßen, dass die Region Hannover, zumindest in den Ortsdurchfahrten, die in der Regel rechtswidrigen Führungen des Radverkehrs auf meist untermaßigen, einseitigen Zweirichtungs- Geh- und Radwegen auflösen will. Ob die flächendeckende Anlage von Schutzstreifen hier immer die richtige Lösung ist, darf jedoch bezweifelt werden. Die Anordnung eines Schutzstreifens für Radfahrende kommt laut der VwV-StVO jedenfalls nur dann in Betracht, wenn andere Führungsformen des Radverkehrs nicht zu verwirklichen sind (vgl. hierzu VwV I.1-5, Rn.11-12, zu §2 Absatz 4 Satz 2 StVO).

Schutzstreifen sind sozusagen also nur eine Notlösung!

Ferner sind bei der Anlage von Schutzstreifen zahlreiche Voraussetzungen zu berücksichtigen. Diese werden wohl auch in den neuen ERA, welche Formate wie Radfahrstreifen und Schutzstreifen aus fachlicher Sicht stärker in den Fokus nehmen, Berücksichtigung finden.

Ein Ausschlusskriterium dürfte hier wohl die Anlage von Schutzstreifen neben Längsparkplätzen sein.

Eine flächendeckende Einführung von Schutzstreifen verbietet sich jedenfalls von selbst. Im außerörtlichen Bereichen kommen auch sowieso nur Radfahrstreifen in Betracht. Auch diese sind natürlich fachgerecht auszuführen und wie von Ihnen auch aufgezeigt, an eine Temporeduzierung zu binden. Es sei ergänzend darauf verwiesen, dass die Region Hannover schon sehr früh sogar linke Radfahrstreifen im außerörtlichen Bereich hat anlegen lassen. Diese mussten dann erst wieder in aufwendigen Rechtsverfahren (z.B. R112, Oldhorster Moor usw.) „weggeklagt“ werden.

Leider sind die bereits in der Region Hannover angelegten Schutzstreifen zu einem großen Teil nicht fachgerecht gestaltet. Oft sind sie nicht einmal durchgehend. Häufig sind sie, zum Beispiel unter Einbezug der Gosse, viel zu schmal ausgeführt. Um eine verkehrsberuhigende Wirkung zu erzielen, kommt es sehr häufig auch zu einer Kombination von Mindestmaßen, also beispielsweise einem schmalen Schutzstreifen in Kombination mit einer zu geringen Restfahrbahnbreite.

Grundsätzlich animieren Schutz- und Radfahrstreifen leider auch dazu, Radfahrende insbesondere bei Gegenverkehr ohne den notwendigen Sicherheitsabstand zu überholen.

Den Anspruch der StVO nach der Schaffung paralleler individueller Angebote werden Schutzstreifen meist nicht gerecht. Sie bieten als sogenannte „Schutzlosstreifen“ kein passendes Angebot für „schwächere“ Radfahrende. Die ja grundsätzlich bestehende Möglichkeit bei ausreichender Breite den Gehweg neben dem Schutzstreifen für den Radverkehr freizugeben  wird nicht genutzt. Diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass die Akzeptanz von Schutzstreifen derzeit eher gering ist und es teilweise sogar zu heftigen Protesten gegen solche Maßnahmen kommt. Bei den meisten Autofahrenden und Radfahrenden ist die aufgemalte Radinfrastruktur jedenfalls gleichermaßen unbeliebt. Es ist aus meiner Sicht zu befürchten, dass eine Aufnahme, des vom Ansatz her eigentlich sinnvollen Formates Schutzstreifen. in den Maßnahmenkatalog zu deutlichen Widerständen gegen das ganze Sicherheitskonzept führen könnte.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf ein weiteres Problem, bei der ja bereits laufenden Umgestaltung der Ortsdurchfahrten hinweisen. Die Zwangsführung des Radverkehrs auf linken Rad-und Gehwegen wird bisher meist nur innerörtlich durch fahrtrichtungsbezogene Schutzstreifen ersetzt.

Dadurch entsteht dann gerade in einem Ballungsraum wie Hannover die Notwendigkeit ständiger Wechsel der Fahrbahnseite.

Dieses führt natürlich auch unabhängig von dem mangelnden Ausbaustandard vieler Radverkehrsanlagen im außerörtlichen Bereich zu neuen Gefahren. Anstatt den Radverkehr in konsequenter Weise auch außerorts – wo ja ausreichend  Platz vorhanden ist – fahrtrichtungsbezogen auf abgesetzten Radwegen zu führen, werden dann aber lieber einige, der für eine Freigabe linker Radwege ja sowieso zwingend vorgeschriebenen, sicheren Querungshilfen gebaut. Dieses kann natürlich nicht im Sinne der Sicherheit sein. Insofern sind Maßnahmen wie die Anlage von Schutzstreifen zumindest differenzierter zu betrachten.

Dieser Text ist Teil eines Schreibens von Gunter Nootny an das Mobilnetzwerk Hannover, das verschiedenste Akteure zum Thema Verkehrssicherheit in Hannover versammelt.

Bisher erschienen:

Die weiteren Texte veröffentlichen wir nach und nach:

  • #6 Radwegebenutzungspflicht
  • #7 Mängel in der Unterhaltung von Radverkehrsanlagen und beim Winterdienst
  • #8 Baustellenabsicherung
  • #9 Fahrraddiebstahl
  • #10 Kontraproduktive Maßnahmen aus Sicht des Radverkehrs

Mehr zu den Gefährdungen, die Radfahr*innen auf Schutzstreifen ausgesetzt, in diesem Beitrag: Wedekindstraße: Schwerverletzte durch Autotüren.

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