UPDATE: Parkraumbewirtschaftung – Wie machen es andere Städte?

In der niedersächsischen Hauptstadt engagiert sich die HannovAIR Connection für saubere Luft und eine Verkehrswende. Jetzt startet auch in Bremen ein Bündnis aus vier Verbänden, VCD, BUND, ADFC und Fuss e.V. mit insgesamt 10.000 Mitgliedern, fordert den Parkraum zu verknappen, zu bewirtschaften und die Einnahmen in den ÖPNV und die Radinfrastruktur zu investieren. Der Weser Kurier berichtete.

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Unser Partner-Blog bremenize listet die Grundsätze für die flächendeckende Bewirtschaftung des Parkraumes in Bremen auf, Grundlage sind u. a. die: 16 guten Gründe für Parktraumbewirtschaftung (PDF-Datei auf deutsch) aus der europaweiten Push & Pull Parking-Studie.

  1. Der öffentliche Raum gehört allen Bürger*innen der Stadt. Als Parkplatz ist er viel zu kostbar.
  2. Parken wird nur auf legalen Parkplätzen toleriert. Illegales Parken (auf Grünflächen, Geh- und Radwegen, an Einmündungen und Überfahrten) wird konsequent geahndet.
  3. Die Stellplätze im öffentlichen Raum werden schrittweise reduziert.
  4. Alle Parkplätze im öffentlichen Raum werden bewirtschaftet.
  5. Der Preis steigt mit der Nähe des Stellplatzes zum Zentrum und der Dichte des Quartiers.
  6. Parken im öffentlichen Raum ist teurer als das Parken im Parkhaus. Das Parken im Parkhaus ist teurer als die Nutzung des ÖPNV.
  7. Kostenpflichtiges Anwohnerparken wird flächendeckend eingerichtet. Zweitwagen und Wohnmobile haben keine Parkberechtigung. Für Gäste ist die Parkdauer begrenzt. Für Dienstleister und Lieferanten werden Kurzzeitparkplätze eingerichtet.
  8. Der Umweltverbund (zu Fuß gehen, Radfahren, ÖPNV, Park&Ride und Carsharing) als attraktive Alternative zum eigenen Auto wird gestärkt.
  9. Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung werden zweckgebunden für den Umweltverbund und die Aufwertung des öffentlichen Raums eingesetzt.

Dies ist ein Auszug aus dem Papier der vier Verbände. DER VOLLE TEXT kann hier nachgelesen werden.

Und auch in Münster beginnt das Aufbegehren gegen jahrzehntelange, verkehrspolitische Fehlplanung, ein Artikel aus den Westfälischen Nachrichten.

Klickt auf „Weiterlesen“ für unseren ursprünglichen Beitrag zum Thema erfolgreiche Parkraumbewirtschaftung in anderen europäischen Städten und warum Anwohner-Parkzonen in Hannover Sinn machen…

Das Zauberwort zur sinnvollen Steuerung des Parkverhaltens in Städten heißt Parkraumbewirtschaftung. Es meint nichts anderes als über Parkgebühren, Anzahl und Standort von Parkplätzen das Mobilitätsverhalten der Bewohner*innen einer Stadt und ihrer Besucher*innen  zum Wohle aller zu lenken.

Wie machen es andere Städte?

Hier Auszüge aus einem Artikel der Wochenzeitschrift Die Zeit:

„In Deutschland ist das Parken unverschämt günstig. Städte im Ausland zeigen, wie man mit kluger Parkraumbewirtschaftung den nachhaltigen Verkehr stärkt.

Hierzulande [in Deutschland] ist das Kontrollieren der Parkraumgebühren eine Aufgabe der Ordnungsämter. In Spanien und Belgien ist dieser Aufgabenbereich jedoch ausgegliedert an private Unternehmen [Na, FDP in Hannover, wie wärs?],die mit der jeweiligen Kommune kooperieren. Das hat einen klaren Vorteil: Sie generieren eigene Einnahmen, von denen ein Teil in den Haushalt der Stadt fließt, ein Teil aber auch als Investitionen in nachhaltige Mobilität.

Im belgischen Gent hat das 2009 gegründete Unternehmen Mobiliteitsbedrijf das kostenpflichtige Parken im historischen Stadtzentrum ausgedehnt,

die Parkdauer für Besucher auf drei Stunden begrenzt sowie die Gebühr auf zehn Euro erhöht.

Im angrenzenden Bezirk ist es günstiger, dort können Besucher für sechs Euro am Tag parken. In den Außenbezirken halbieren sich die Parkkosten noch einmal. [Hier der Link zu einer Seite, die Parkplätze mit den viel zu geringen Gebühren in Hannover zeigt: 2-3 € für 2 Stunden]

Dieses Konzept hat den Parksuchverkehr verringert und den Parkdruck in der Altstadt reduziert. Autofahrer sollen Park & Ride- und Park & Bike-Angebote nutzen, damit in der Innenstadt möglichst wenige Pkw parken. Im Gegenzug müssen Hauseigentümer im Stadtzentrum für ihre Bewohner keine Parkplätze mehr schaffen. Als weiteren Anreiz gibt es neue Fahrradabstellplätze, maximal 100 Meter von jeder Wohnung entfernt.“

Wir empfehlen zum Thema das Interview mit dem renommierten Verkehrsforscher Prof. Stephan Rammler, das auf der gelungenen Übermorgen-Plattform der Sparkasse Hannover und der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zu sehen ist:

In Berlin fordern Experten inzwischen flächendeckende Parkgebühren:

„Öffentlicher Grund ist nicht umsonst, deshalb sollte das Parken in ganz Berlin entsprechend bepreist werden”, sagt Professor Andreas Knie vom Berliner Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ). – Quelle: Berliner Zeitung

Die in diesem Zuge überfällige Diskussion über Anwohnerparken haben wir in diesem Beitrag im Blog bereits begonnen. Auch die Neue Presse Hannover fragt: Sind Parkzonen für Anwohner eine Lösung?

Und Juliane Kaune meint im Kommentar des Stadtanzeigers West der HAZ: „Parkzonen nur für Anlieger sollte [von der Politik) auf die Agenda genommen werden. Denn die Anwohner sollten [in Wohngebieten] Vorrang vor Pendlern haben.

Ein Anwohnerparkausweis in Hannover kostet zur Zeit 30,70 € pro Jahr.

Und Parkhäuser sind nicht ausgelastet, weil das Parken in den Wohnvierteln unserer Stadt nichts kostet, wie das Beispiel aus dem Zooviertel zeigt:

Gäbe es wie in Basel gar keine kostenfreien Parkplätze entlang der Straßen, wäre es ein Segen für Anwohner*innen, Bewohner*innen viel befahrener Straßen und für die Luftqualität in Hannover , weil sich über kurz oder lang der motorisierte Verkehr insgesamt verringern würde.

Den Artikel in der HAZ mit Bildergalerie über die schlimmsten Parksünden (Ein Kavaliersdelikt ist übrigens etwas anderes, liebe Herren der Schöpfung!) in der Südstadt lassen wir (fast 😉 unkommentiert:

Die folgende Grafik zeigt die Kostensteigerung im ÖPNV

im Vergleich zur Entwicklung der Parkgebühren in ausgewählten deutschen Städten. Auf diese Wiese wird dafür gesorgt, dass die Menschen auf das eh vor der Tür stehende, eigene Fahrzeug zurückgreifen. Anstatt den in Sachen Effizienz, Lärm und Abgase für die Gesellschaft sinnvolleren Nahverkehr zu nutzen.

Die Grafik ist diesem Die Zeit-Artikel entnommen, der über eine umfangreiche Studie zum ÖPNV berichtet. In der Studie werden deutsche Städte in Punkto Attraktivität, Preise, Haltestellenanzahl, Taktung verglichen. Quelle: Civity; Copyright: Zeit Grafik

Zitat: „Viele fahren lieber Auto – auch weil die Preise für Bus und Bahn in elf ausgewählten großen Städten deutlich stärker gestiegen sind als die Parkgebühren.

Inflationsbereinigt wurde Parken seit 2006 sogar um 1,5 Prozent billiger.“

In Hannover gibt es zur Zeit sogar einen Preiswettbewerb der Parkhäuser um Kunden: Parken in der City wird billiger

Was macht eigentlich die Politik und die Verwaltung Hannovers, die sich mittlerweile mit einer Klage der Deutschen Umwelthilfe wegen der nach wie vor gesundheitsschädigenden Luft auseinandersetzen muss?

Nix, nix und nochmal nix:

Der Oberbürgermeister wartet wie das Kaninchen auf die Schlange bzw. auf die Blaue Plakette des Bundes oder eben auf die kommenden Fahrverbote! Wahrscheinlich um dann zu sagen, wir konnten nichts dafür!

Und Frau Tegtmeyer-Dette, die Wirtschafts- und Umweltdezernentin? Ironischerweise grünes Parteimitglied, sagt: „Es gebe keine Maßnahmen gegen die Stickoxid-Belastung, die eine Kommune kurzfristig ergreifen könne.“  Ein Armutszeugnis!

Am 22.02.18 wird das Bundesverwaltungsgericht Leipzig übrigens ein Grundsatzurteil über Fahrverbote fällen.

Diese vorgeschoben Hilflosigkeit der in Hannover Verantwortlichen ist so schwer zu ertragen, dass sich engagierte Bürger*innen und Vereine, Verbände und Initiativen zur HannovAir Connection, dem Netzwerk für eine Lüftje Lage und saubere Luft in Hannover mit ensprechenden Forderungen  zusammengeschlossen haben.

PlatzDa! ist Netzwerkpartner und war natürlich bei der Auftaktveranstaltung auf dem Opernplatz und auch die HAZ berichtete.

170607 HAZ LRP, HannovAIR und Opernplatz Beitragsbild

Wer noch mehr in die Thematik Parken einsteigen möchte, sei der Beitrag unseres Partner-Blogs Bremenize aus , richtig, Bremen empfohlen.

Parkplätze erzeugen Autoverkehr, oder: Was Parken uns alle kostet

„Würden wir marktgerechte Preise für das Parken unserer Autos zahlen, hätten wir weniger Autos und würden sie seltener bewegen. Die Kosten der Staus und der Luftverschmutzung sind schwer zu messen und den einzelnen Autofahrern zuzurechnen, deswegen bleiben sie externe Kosten. Aber Parkgebühren zu erheben ist einfach, es gibt also keinen Grund, warum diese Kosten externalisiert bleiben sollten”(S. 199) “Je höher die Parkgebühren sind, desto mehr Verkehrsteilnehmer steigen um auf den ÖPNV, Car Sharing, Fahrrad oder das zu Fuß gehen, um von A nach B zu kommen.“

Ach ja, Frohes Neues Jahr, wünscht Euch die #hannovercyclechic-eria. Wir sind gespannt wie es in 2018 weitergeht und bleiben für Euch am Ball.

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2 Gedanken zu “UPDATE: Parkraumbewirtschaftung – Wie machen es andere Städte?

  1. Kleine Anregung zur Korrektur eures Textkastens „Basel geht voran“:

    Anwohnerparken in Zürich kostet 300 CHF PRO JAHR (nicht: „monatlich“).
    Anwohnerparken in Luzern kostet 600 CHF PRO JAHR (nicht: „monatlich“)

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