Mobilnetzwerk #8: Priorisierung – Aufbau von sicheren Radverkehrsnetzen

Die Maßnahmen zum Aufbau von sicheren Alltagsnetzen für den Radverkehr kommen nicht wirklich voran. Die bestehenden Netze weisen keine einheitliche Kennzeichnung auf und erfüllen weiterhin oft noch nicht einmal grundlegende Sicherheitsanforderungen. Es ist bisher nicht zu erkennen, dass wenigstens im festgelegten Alltagsradwegenetz Radfahrende ausreichend gesichert sind. Dagegen zeichnet sich die Region Hannover weiterhin durch ein äußerst dichtes Netz von Autobahnen und Schnellstraßen als besonders autogerecht aus. Die Schnellstraßen werden mit viel Aufwand und auch zu Lasten des Radverkehrs weiterhin ausgebaut (z.B. B65 bei Ahlten Sehnde). Hier jetzt nur einen einzelnen Radschnellweg, welcher aufgrund des Widerstandes der Stadt Lehrte noch nicht einmal durchgeführt wird, als Modelprojekt anzulegen, ist eher ein Witz.

Es muss kurzfristig ein sicheres und dichtes Radverkehrsnetz, möglichst unabhängig vom Kfz.-Verkehr, geschaffen werden. Dabei ist ein besonderes Augenmerk auch auf eine sichere Querung von anderen großen Verkehrsachsen zu legen. Hier wird verstärkt auch auf nicht höhengleiche Knotenpunkte gesetzt werden müssen. Ich möchte das Problem der mangelnden Querungsmöglichkeiten mal an meinem eigenen Beispiel deutlich machen. Ich wohne im Umland von Hannover. Mein Weg mit dem Fahrrad zu meiner Hauptarbeitsstelle ist ca. 7 km länger als mit dem Auto. Mit dem Fahrrad darf ich die Schnellstraßen und Autobahnen nicht nutzen. Stattdessen muss ich ständig Umwege fahren, um die großen Verkehrsadern, wie Autobahnen, Schienenstränge, den Kanal usw. zu queren. Ferner muss ich dazu auch noch unzählige gefährliche Knotenpunkte kreuzen oder werde durch rechtswidrig ausgeführte Umlaufsperren ausgebremst. Das ist natürlich kein vernünftiges Angebot zum Umsteigen auf das Fahrrad.  Die hier im Maßnahmenkatalog gemachten Aussagen sind zu konkretisieren. Ein Kriterium könnte sein,  dass die Wege mit dem Fahrrad nicht wesentlich länger sein dürfen als mit dem Auto.

Ein weiterer Punkt bei der sicheren Gestaltung von Alltagsnetzen ist ein einheitlicher baulicher Standard. Dieses betrifft insbesondere auch die Gestaltung der Knotenpunkte, denen es an der vorgeschriebenen Führung des Radverkehrs oft völlig mangelt. Wenn Verkehrsexperten von außerhalb nach Hannover kommen, kritisieren sie immer wieder, dass Radfahrende nicht wissen, wie und wo sie fahren sollen. Die Experten vergleichen das Radfahren in Hannover immer wieder mit Action-Computerspielen, bei denen hinter jeder Ecke eine neue Gefahr lauert. Um Radfahrenden überhaupt erst einmal eine sichere Orientierung zu bieten, brauchen wir wenigstens regionsweit ein einheitliches Gestaltungskonzept für Radverkehrsanlagen und die Führung in Knotenpunkten.

Insbesondere in der Stadt Hannover werden jetzt zunehmend auch Fahrradstraßen ausgewiesen. Dieses ist grundsätzlich sehr zu begrüßen. Auf der Grundlage der Fahrradstraßen ließen sich ggf. auch Alltagsnetze projektieren. Allerdings erfüllen viele Fahrradstraßen nicht einmal die gängigen Sicherheitsvoraussetzungen. Sehr häufig sind sie nicht für den Kfz.-Durchgangsverkehr gesperrt oder es gilt in den Knotenpunkten weiterhin rechts vor links, was sich bei diesem Radverkehrsformat natürlich schon aus Verkehrssicherheitsgründen verbietet. Die neuen ERA werden wohl Kriterien für die Ausweisung von Fahrradstraßen enthalten. Diese sind anzuwenden. Vorhandene Fahrradstraßen sind anzupassen. Das Format Fahrradstraße sollte als besonders förderlich in den Maßnahmenkatalog aufgenommen werden.

Problematisch ist auch die Unterhaltung der auch für den Alltagsverkehr sehr wichtigen Grünwegeverbindungen. Diese sind mit Ausnahme der Eilenriede – als das „geheime Radverkehrsnetz“ der Stadt Hannover – überwiegend in einem schlechten Zustand. Selbst ausgewiesene Fernradwege sind in den Wintermonaten unpassierbar. Hier besteht auch im Sinne der Sicherheit des Radverkehrs dringender Handlungsbedarf. Die Region Hannover könnte hier wichtige Strecken übernehmen, ggf. asphaltieren und auch unterhalten.

Dieser Text ist Teil eines Schreibens von Gunter Nootny an das Mobilnetzwerk Hannover, das verschiedenste Akteure zum Thema Verkehrssicherheit in Hannover versammelt.

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