LKW-Unfall: Offener Brief an Oberbürgermeister Schostok

Der Text des offenen Briefes vom 27.04.2018:

Abs.: Gerd Reincke, Waldmeisterweg 15, 30655 Hannover

Oberbürgermeister Schostok
Neues Rathaus
Trammplatz 2
30159 Hannover

Unfall an der Kreuzung Vahrenwalder Straße/Ecke Industrieweg

Sehr geehrter Herr Schostok,

der schwere Unfall am 18. April am Industrieweg / Ecke Vahrenwalder Straße hat großes Leid über Eltern,  Angehörige, Mitschüler, Lehrer und alle, die dem Schüler nahestanden, gebracht.

Die Betroffenheit in der Stadt, im Land und in den Medien war groß, weil ein Kind ein Opfer des Verkehrs wurde. Es war ein Albtraum, der keinen, insbesondere keinen Radfahrer und Fußgänger, der ähnliche Situationen erlebt hat, unberührt lässt.

Der Unfall mahnt, alle Anstrengungen zu unternehmen, um solchen Unglücken vorzubeugen. Wir meinen, dass der Unfall hätte vermieden werden können: es ist grob fahrlässig, dem rechts abbiegenden Kfz-Verkehr gleichzeitig mit dem geradeaus orientierten Rad- und Fußgängerverkehr grün zu geben. Die Freigaben sind zu trennen, die Rechtsabbieger erhalten rot, wenn die Radfahrer und Fußgänger geradeaus grün haben und umgekehrt.

Der Verweis auf die Einführung von Assistenzsystemen hilft aktuell nicht weiter, er lenkt vielmehr ab. Die Ermittlungen der Polizei und die Beratungen der Unfallkommission können zu keinem anderen Ergebnis führen. Ein Hinauszögern von Maßnahmen im beschriebenen Sinne wäre verfehlt. Täglich biegen Schwerlaster in großer Zahl an Ort und Stelle rechts ab, es besteht akuter Handlungsbedarf.

Wir fordern weiter, dass vergleichbare Kreuzungen im Stadtgebiet auf ihr Gefahrenpotential hin  untersucht werden, um Ampelschaltungen entsprechend zu korrigieren oder umzurüsten.

Die Vision Zero kann mit Hilfe solcher Maßnahmen ein verbindliches Ziel städtischer Verkehrspolitik werden. Das ist im Interesse von allen. [Anm.: Vision Zero hat das Ziel „Null Verkehrstote und -schwerverletzte“ und ist in Schweden entstanden]

Mit freundlichen Grüßen

Ger Reinke und weitere siebzig Unterzeichner*innen

Der Artikel online in der HAZ (nur für Abonnenten)

Wir meinen:

Dieses fürchterliches Ereignis stellt nur die Spitze des Eisberges dar. Wöchentlich, zeitweise täglich, vermeldet die Presse verletzte Fußgänger, Radfahrer (und auch Autofahrer bzw. LKW-Fahrer, z. B. auf der A2.)

Überhöhte Geschwindigkeit, rücksichtsloses Rechtsabbiegen, gefährliche Überholmanöver von Autofahrern mit zu wenig Abstand, kein angemessenes Verhalten an Zebrastreifen, Falschparken auf Geh- und Radwegen, so dass Kinder auf dem Schulweg nicht gesehen werden etc. pp. sind die Auswüchse der „Leichtigkeit des (motorisierten) Verkehrs“, die Hannover seit dem Stadtbaurat Hillebrecht negativ „auszeichnen“.

So lange ein Großteil der Politiker*innen im Stadtrat, die Spitzen der hannoverschen Verwaltung, die Vertreter der Presse und der Polizei

in Person von OB Schostok und der Fraktionsvorsitzenden, Stadtbaurat Uwe Bodemann, Tiefbauamtsleiter Andreas Bode, Stadt-Kämmerer von der Ohe, Wirtschafts- und Umweltdezernentin Tegtmeyer-Dette, HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt und Stellvertreter Felix Harbart, Polizeipräsident Volker Kluwe und Stellvertreter

sich nicht veranlasst sehen, öffentlich und konsequent für eine nachhaltige Verkehrssicherheit einzustehen,

durch Temporeduzierung mit baulichen Maßnahmen wie Aufpflasterungen, Fahrbahnverengungen, Schwellen vor Zebrastreifen, konsequenter Rückbau von Sicht beschränkenden Parkplätzen an Kreuzungen, Einsatz gegen Falschparker rund um die Uhr durch das Ordnungsamt, höhere Bußgelder usw. usf.,

und einen sinnvollen Rückbau der autogerechten Stadt fordern, um die Alternativen wie ÖPNV, Rad- und Fußverkehr zu stärken,

durch  einen massiven Ausbau einer sicheren und schnellen Radinfrastruktur in der Stadt, eine autofreie City, Radschnellwege ins Umland, des verkehrsarme Wohngebiete mit Anwohnerparkzonen, Umwandlung von Fahrspuren zu Radwegen, ein flächendeckendes Parkraumanagement, ein 1€/Tag-Üstra-Ticket usw. usf.,

werden vor allem tote und (schwer)verletzte Kinder, Fußgänger, Senioren, Radfahrer weiterhin als Kollateralschäden des motorisierten Individulaverkehrs hingenommen.

Eine Stichprobenkontrolle der Polizei Hannover vor einer Kindertagestätte in Misburg zeigt das ganze Ausmaß der autogerechten Stadt und die Selbstverständlichkeit mit der (zu) viele motorisierte Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit überschreiten. Selbst in Tempo 30-Zonen, die für die Sicherheit unserer Kleinsten und der Schutzbedürftigsten unserer Gesellschaft eingerichtet worden sind, werden in kürzester Zeit 47 Verwarngeld- und elf Bußgeldbescheide ausgestellt. Tempo 46 in einer tempo 30-Zone kostet 25 € – ein Witz — bei dem Gedanken, dass es um Leben und Tod Deiner Tochter, Deines Sohnes, Deines Bruders, Deiner Schwester, Deines Vaters, Deiner Mutter, Deiner Oma, Deines Opa, Deiner Tante, Deines Onkels, Deiner Liebsten oder Deines Liebsten geht!

Es ist zutiefst beschämend!

P.S. Unsere Gedanken sind nach wie vor bei den Angehörigen des Kindes. Wir wünschen ihnen viel Kraft!

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