Frau Antje watscht Puttchen Brammel oder ‚So geht Kreuzung!‘, lieber Michel-Andreas!

Aus Holland kommt nur Käse? Weit gefehlt… Der fahrradgerechte Umbau der Infrastruktur zum Wohle aller

  • Fußgänger, die sicher vor Radfahrern Fußwege nutzen können,
  • Radfahrer, die sicher vor Autos Radwege nutzen können,
  • Autofahrer, die durch mehr Radfahrer freiere Straßen nutzen können und weniger Gefahr laufen, Fußgänger oder Radfahrer umzufahren ,

schreitet eindrucksvoll voran, wie der folgende Zeitrafferfilm des Umbau einer Kreuzung in Amsterdam zeigt:

Verglichen mit der Stadt- und Presse weit und jahrelang geführten Diskussion über 50m Radweg am Schwarzen Bären vergeht einem – zurück kommend auf die Überschrift – das Lachen über Frau Antje aus Holland und warumauchimmer kommt hannovercyclechic Puttchen Brammel aus Hannover in den Sinn. (Historie Update zum Beitrag: Autospur am Schwarzen Bären entfällt)

Entscheidend zur Vermeidung von Abbiegeunfällen an Kreuzungen sind die Sichtbarkeit der schwachen Verkehrsteilnehmer und die Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs. Am Schwarzen Bären hätte mit wenig Aufwand — gebaut wurde der neue bzw. ‚vergessene‘ Radweg ja ohnehin — eine sichere Kreuzung entstehen können.

Die folgende Fotomontage zeigt, wie:

hannovercyclechic schwarzer baer radweg mit bordstein insel

Der Radweg führt vor der Fußgängerampel entlang und verringert so die Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern. Eine Bordsteininsel minimiert den toten Winkel beim Rechtsabbiegen und verhindert Abbiegeunfälle, da die Autos schlicht langsamer um die nicht mehr so stark ausgerundete Kurve fahren müssen. Festzuhalten ist, dass hier nicht einmal Autofahrer mehr benachteiligt worden wären als bei der jetzt umgesetzten Variante. Es hätte also keinen höheren Widerstand der Autolobby als ohnehin schon gegeben, aber die Stadt hätte sich auf die Fahne schreiben können, Sicherheit für Kinder, ältere Menschen und Radfahrer ernst zu nehmen. Das wäre die Stadt und die Gesellschaft in der hannovercyclechic noch lieber leben möchte!

Gut dargestellt ist diese in den Niederlanden, dem sichersten Radfahrerland der Welt, inzwischen gängige Praxis bei Neu- und Umbauten von Kreuzungen auf der Internetseite des Volksentscheids Fahrrad.

hannovercyclechic kreuzungen umgestalten quelle radentscheid berlin

Quelle: Volksentscheid Fahrrad Foto: Wibke Reckzeh Bearbeitung: Rabea Seibert

hannovercyclechic kreuzungen umgestalten quelle volksentscheid fahrrad

So ähnlich sollten sichere Kreuzungen gestaltet sein (Grafik: Corinna Fischer; )

Quelle: Volksentscheid Fahrrad

Liebe Verantwortliche in der Politik, lieber Herr Schostok und alle anderen Politiker des Rates, und in der Verwaltung dieser Stadt, lieber Herr Bodemann und lieber Herr Bode, denkt doch mal (Großstadt-) groß, macht doch mal auf dicke (Rad-) hose oder hängt Euch doch mal in den Windschatten der Vorausradler – und -bilder aus:

Derr kleine Heini von der Leini, aka hannovercyclehcic

Abschließend noch ein Gedanke zu den Radzählstation in Hannover: Die Frage des vor REWE-City positionierten Asphalt-Magazin-Verkäufers nach der Sinnhaftigkeit der neuen Radzählstation beantwortete hannovercyclechic beim Aufnahmen der Fotos wie folgt: Die automobilen Verkehrsströme werden seit Jahrzehnten gezählt, um die Infrastruktur zu optimieren. Warum sollte das beim Radverkehr unnötig sein? Oder anders formuliert: Eine durchdachte, wirtschaftliche Planung geht nur auf Grundlage gesicherter Erkenntnisse! In Bremen sind die Ergebnisse der Radzählstationen bereits im Internet abzulesen!

 

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8 Gedanken zu “Frau Antje watscht Puttchen Brammel oder ‚So geht Kreuzung!‘, lieber Michel-Andreas!

  1. Vielen Dank für diesen sehr gut verwendbaren Artikel!

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  2. Mir fällt zu den veranschaulichten und einleuchtenden Skizzen nur ein, den Verantwortlichen bei der Stadt Hannover zu sagen: „Warum denn einfach, wenn es kompliziert geht?! Lasst Euch doch endlich mal von guten Beispielen inspirieren! Andere Länder machen es doch vor. Einfacher geht es doch gar nicht. Der Radverkehr nimmt immer weiter zu und die Möglichkeiten des sicheren Radweges sind noch immer sehr begrenzt.“

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  3. Die niederländische Standardlösung für Kreuzungen sieht m.E. nicht vor, dass der Radweg vor den Fußgängerwarteflächen langführt, sondern dahinter.

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    • …da hast Du Recht, Simon (von Simon und Simon?) Es wäre auch ausreichend Platz, um noch eine Fußgängerinsel zwischen Radweg und einspuriger Straße anzulegen. Der Radweg würde idealerweise auch noch einen Zebrastreifen für Fußgänger erhalten. In der Visualisierung ging es darum aufzuzeigen, wie mit gleichem Aufwand mehr Trennung der Mobilitätsarten hätte gelingen können.

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  4. Der abgebildete Kreuzungsplan, der hier als Vorbild hingestellt wird, ist im Hinblick auf Konflikte mit Rechtsabbieger-Kfz haarsträubend! Auch die Nachbarschaft mit Zebrastreifen ist von vorgestern – Radfahrer sind keine fahrenden Fußgänger. Ähnliche Modelle – allerdings beampelt – gibt es in Hannover an der Hildesheimer Straße – eine mit Recht kritisierte Altlast.
    Wo ist die geradlinige Führung, die von Aktivisten durchaus mit Recht gefordert wird?
    Dieses Kreuzungsbild mit weit abgesetzten Furten ist auch viel ungünstiger für den Radverkehr als die angeblich schlechte Führung am Bären/Blumenauer.
    So wie oben abgebildet geht Radverkehr jedenfalls nicht!!

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    • Jetzt lässt hannovercyclechic aber mal Dampf ab, die Dampfwalze an, den Dampfplauderer raushängen, dampfdomi!
      Sorry, kleiner Scherz auf Deine Kosten…

      Du meinst also ernsthaft, dass die Darstellung von sicheren Kreuzungen aus dem Beitrag von Volksentscheid Fahrrad nicht „State of the Art“ sind?
      Keine Parkplätze behindern die Sicht der Autofahrer auf die Radfahrer und Fußgänger? Check!
      Ein abbiegender PKW kann entlang der linsenförmigen Bordsteininsel sein Tempo verringern, den „Schulterblick“ vorschriftsmäßig ausführen und ggf. sogar vom Verkehr hinter ihm ungestört halten? Check!
      Die Radfahrer können auf Grund der vorgezogenen Halte-Position früher als die haltenden Autos losfahren? Check!

      Ein in den Niederlanden, dem sichersten Radfahrerland der Welt (auch ohne Helm!), entwickeltes Kreuzungsdesign als „haarsträubend“ und von vorgestern“ abzukanzeln, erinnert hannovercyclechic an „Western von Gestern“ und an die wahrscheinlich seit damals nicht erneuerte Möblierung in den Amtsstuben unserer Stadt.

      Was gute Radwege ausmacht, ist übrigens hier einfach und -leuchtend beschrieben: Mein Traumradweg vom anderen BMV

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  5. Lieber chicer cycler,

    nicht alles was chic aussieht, bewährt sich in der Praxis. Offensichtlich hat man sich in bestimmte ausländische Vorbilder verrannt und erkennt die Macken gar nicht. Vergleich den obigen Kreuzungsplan mal mit unserer Hilde-Geibel-Kreuzung – fast eine Kopie, von der roten Farbe mal abgesehen!!
    Ich jedenfalls möchte solche zweifelhaften Konstruktionen in H nicht, sondern von der Geibel-Fahrbahn auf die Hilde (meinetwegen dort auf den Radweg) direkt abbiegen. Und sowas geht, wie das Bsp Am Lindener Hafen/Kesselstr/Zimmermannstr/Eichenbrink zeigt.
    Nehmt Euch vorhandene hannoversche Lösungen zum Vorbild, die sind besser als vieles was aus Nachbarländern abgekupfert werden soll.
    Gerade in Linden mit den dortigen engen Platzverhältnissen gibt es viele gute Lösungen, aber die werden wohl von den Lindenern aus Gewohnheit übersehen!?
    Oder soll die Kreuzung Fössestr/Kötnerholzweg nach dem obigen Bild umgestaltet werden?
    Also: Schluss mit H-Bashing! Da wo wir weiter sind als andere (auch NL) sind wir weiter!!
    Aber das zu sehen und zuzugeben, ist wohl nicht Sinn dieser Veranstaltung!?

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